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Tellerrand

27 September, 2007 · Kommentar schreiben

 Manchmal glaube ich, dass die Menschen hier relativ kurzsichtig sind und einfach keinen Blick fuer globalere Zusammenhaenge besitzen, das faengt schon im ganz Kleinen an und hoert dann bei den grossen „wichtigen“ Dingen auf. Ich esse beim Fruehstueck durchaus mal 3 oder auch 5 Stuecke Ananas und Banane und schneide mir daraus eine Fruchtschale zusammen. Ich denke, da ich weder Wurst, noch Porridge noch das Spiegelei esse ist das eigentlich kein grosse Sache. Heute nach ungefaehr 50 Fruehstueckssessions wurde ich von einer Mitarbeiterin angesprochen, dass es mir nur erlaubt sei einen Teller Obst zu essen. Ich habe ihr dann erklaert, dass ich alle anderen Sachen nicht esse und das deshalb so mache, andere Essen 5 Scheiben Brot und 3 Wuerste. Sie zog dann wieder ab und ich sagte ihr, ich werde die Regel morgen, an meinem letzten Tag, beachten :) .

Das ich bzw. die Menschen um mich herum dort jeden Tag noch ettliche andere  Dinge Essen, trinken und BEZAHLEN und dies auch woanders tun koennten bedenken sie dabei nicht. Sie denken also nur an 5 Stuecke Obst und nicht an den Kaffee und das Abendessen, dass sie mir zufriedenem Gast noch verkaufen koennen.

Und so zieht sich das eben noch weiter und weiter. Man beschwert sich ueber den Muell auf der Strasse und das Nairobi so dreckig ist, kaut dabei die Erdnuesse, deren Verpackung man dann direkt in den Graben wirft.

Man schimpft ueber die Verhaeltnisse in denen Menschen leben, man schimpft ueber soziale Unsicherheit und dass einige Alles haben und andere Nichts. Und dann zeigen mir die gleichen Menschen ganz stolz ein Modell von einer riesigen Shoppingmall, die in der Naehe gebaut werden soll. Ein Center, in das niemals ein Mensch aus dem Osten Nairobis wird gehen koennen, weil er es sich garnicht leisten kann, dort auch nur ne Cola zu trinken.

Und Enden tut das dann bei Dingen wie der „Grossen“ Politik. Man wahlt Politker von der Korruptheit man weiss, die sich die Diaeten stetig erhoehen, die nichts oderkaum etwas fuer die laendliche Bevoelkerung tun. Politiker engagieren Schlaeger um sich gegenseitig im Wahlkampf zu behindern und die Menschen wissen das. Trotzdem werden sie gewaehlt werden.

Das sind Zusammenhaenge die man hier irgendwie nicht sieht. Man schaut nicht ueber den Tellerrand nichtmal ueber den Fruehstuecksteller.

P.S. Und ich werde morgen trotzdem Fruechte essen und sogar mehr als Zwei Scheiben Ananas. HA

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Geradeaus

26 September, 2007 · Kommentar schreiben

So nun geht es auf die letzten Tage, Stunden was auch immer zu. Ich habe ein wenig dessen wiedergefunden, was ich dachte hier total verloren zu haben. Mein Antrieb und meine Laune sind wieder zurueck und mich nervt die Stadt nicht merh so an, wie das Zwischenzeitlich der Fall war. Woran das liegt, ich glaube an innerer Einstellung, denn sauberer gerechter oder ruhiger ist Nairobi nihct geworden. Aber ich habe immer versucht hier Dinge auf mich zukommen zu lassen und ein bisschen versucht die Leine Lang zu lassen, um moeglichst offen zu sein. Ich habe immer versucht gerade heraus zu sein und dabei einige Prinzipien aber nicht aufzugeben, sie aber wenn noetig auf ihre Sinnhaftigkeit zu pruefen. Ein Beispiel dafuer ist der Umgang mit Bediensteten. Mir ist egal, was die Menschen hier gewohnt sind, ob sie irritiert sind, wenn man nach dem Schuheputzen „danke“ sagt oder „Bitte“ sagt, wenn man etwas moechte. Mir ist das wichtig und ich behalte das bei. Meine Freundlichkeit gebe ich hier nicht auf.

Ebenso gebe ich meine Ehrlichkeit nicht auf. Es gibt immer wieder Gelegenheiten bei denen ich verfuehrt bin den einfachen Weg zu gehen, bei denen ich Konflikte meiden koennte. Aber eigentlich bin ich gut damit gefahren meine Meinung zu sagen und den Menschen mitzuteilen, wenn mir wirklich etwas missviel oder ich enttaeuscht wurde.

Prinzipien sind wirklich nicht immer einfach, aber das hat jha auch niemand behauptet. Es ist eben nicht leicht korrekt und aufrichtig zu verhalten. Aber wenn ich den einfach den einfachen Weg haette gehen wollen, waere ich dann hier?

 P.S.: Dieser Beitrag soll keine Selbstbeweihraeucherung sein, aber ich habe immer wiedergegeben, was mich beschaeftigt hat und das ist in meinen letzten Tagen sehr aktuell und staendig in meinem Bewusstsein.

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Zeigefinger, Gaumenfreuden, Nasengeraeusche

25 September, 2007 · 2 Kommentare

Hier , darueber wollte ich eigentlich schon lange mal schreiben, herrscht eine voellig andere Kultur der Koerpergeraeusche und man untersucht koerperoeffnungen wesentlich freier als man dies in Deutschland tut. Nein hier fummelt sich niemand in der Oeffentlichkeit im Po herum. Aber gepopelt wird bis der Arzt kommt. Wirklich. Frauen und Maenner, egal wo, egal wann, voellig ungezwungen. Manchmal wirkt das richtig erfrischend, wenn im Restaurant eine Frau im Hosenanzug sitzt und sich den Finger in den Kopf steckt, ganz selbstverstaendlich und vertraeumt. Dabei tut sie ja Keinem etwas und der Kontrast zwischen der Buisnesshuelle und dem befreienden gebohre, der gefaellt mir fast. Weniger gefallen tut mir alerdings das Hochziehen, das speziell Maenner wunderbar beherrschen. Gemeint ist das Naseputzen nach innen. Im Bus oder im Cybercafe ist das besonders schoen, wenn neben einem jemand alle 10 Sekunden 50 Gramm Schleimhaut ein Handbreit hoeher befoerdert. Lecker lecker.

Ruelpsen ist hier auch alles andere als ungewoehnlich, nach dem Essen sowieso, aber auch sonst bei jeder Gelegenheit. Mund zu? Nicht doch! Immer raus mit allem was keine Miete zahlt!!!

Am Anfang wirkte das sehr befremdelich. Aber mittlerweile aktzeptiere ich es halt, was soll ich auch machen und ausserdem ist es eben auch ne Frage der Kultur. Eine eruopaeische Bekannte hat sich darueber mal aufgeregt, aber ich kann mich halt ueber einen unterschiedlichen kulturell gepraegten Umgang mit Koerpergeraeuschen aufregen oder ich kann es lassen.  Keinesfalls wuerde ich soweit gehen und behaupten, dass das ein Zeichen mangelnder Zivilisation ist. Es ist eben ein anderer Umgang!!! Und lieber Nase hochziehen als sich andauernd in den Schritt zu greifen, um zu sehen, ob noch alles da ist wo es hingehoert. Das hab ich hier noch nie gesehen.

Uuund Popeln hat  hier auch eine sinnvolle Funktion, das sei noch eingfuegt, denn durch die Luftverschmutztung kann auch ich jeden Abend ne gute Portion Material aus meinem Kolben herausholen.

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Mimik

23 September, 2007 · Kommentar schreiben

In den letzten 7 Wochen habe ich glaube ich mehr ueber Mimik und Gestik gelernt als jemals zuvor. Jeden Tag, wenn ich durch die Strassen gehe, schauen mich Menschen an und schon da beginnen sich grosse Unterschiede auzuzeigen. EInige Menschen schauen mich an, weil ich natuerlich auffalle: Weiss und Blond. Aber es gibt dann Menschen, die Starren regelrecht und koennen ihren Blick nicht von mir lassen und dann gibt es wieder andere, die Blicke durch bestimmte mimische Bewegungen ergaenzen: Sie ziehen die Augenbrauen hoch nicken auffordernd mit dem Kopf. Diese Auffordernden Mimiken gehen dann oft fliessend ueber mit Ansprachen: „Jambo“ oder auch immer gern durch ein „My Friend“ oder „Brother“ ergaenzt. Natuerlich hoere ich am Tag ca. 70 mal „Taxi“ begleitet von einer einladend, lockenden Kopfbewegung. Lustig ist die Frage „Maybe Taxi“, denn die Anwort „Maybe not“ wurde eher grummelnd hingenommen.

Ich werde staendig angelaechelt und wenn ich zu viel zuruecklaechele, dann habe ich gleich einen „Friend“ oder „Brother“ an meiner Seite, der mit mit mal ein bisschen ueber das Buisness plauschen moechte. Ich muss hier oft wirklich arrogant wirken, auch wenn ich auch dem 15 Taxifahrer noch eine Reaktion entgegenbringe und sei es nur ein Kopfschuetteln.

Manchmal, leider wirklich selten, findet mal mal so richtige Lacher oder Laechler, der offenen Art. Fast immer sind es  Kinder und Muetter dieser Kinder. Die Kinder, die mich mit grossen Augen ansehen, weil sie einfach verwundert sind ueber das was sie sehen und wenn ich dann ehrlich und offen zureckstaune oder laechele, also so, dass das das ganze Gesicht laechelt, dann lachen sie zurueck und die Mutter haeufig auch, obwohl ich sie nicht kenne. Sie ist nicht meine „Sister“ und meine „Friend“ ist sie auch nicht und nichtmal ein Taxi hat sie.

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Wuetende Ohnmacht

21 September, 2007 · 1 Kommentar

Ich muss gerade was loswerden: ARMUT IST SCHEISSE!!! Sie macht immer bohnmaechtig und das im wahrsten Sinne des Wortes. Man fuehlt sich und man ist ohne Macht. Und mich macht das wuetend, wirklich wuetend. Ich koennte gerade schreien.  Gerade bin ich durch die Stadt gegangen und auf der Strasse lag eine Frau, 20 Menschen standen drumherum. Ich bin kein Arzt und habe mich auf die Macht des Kollektivs verlassen. Nach dem Motto:“Die werden sich schon kuemmern“. Zehn Meter weiter schlug es aber in meinem Kopf auf, dass die ja gar keine Mittel haben, sich zu kuemmern. Im schlimmsten Falle stehen da zehn Menschen und sehen wie die Frau verreckt. Ich bin dann in die naechste Apotheke und habe mir Einmalhandschuhe gekauft und bin zurueck, um wenigstens erste Hilfe zu leisten. Keine Ahnung ich bin kein Arzt, aber Nichts tun geht auch nicht. Es standen mittlerweile 20 Menschen drumherum und die Frau lag verschwitzt und voellig unversorgt auf dem Boden. Auf meine Frage ob jemand schon einen Krankenwagen gerufen habe, sah ich in viele fragende Gesichter. Vermutlich hatte keiner mehr Guthaben auf seinem Handy. Irgendein Mann kannte die junge Frau dann wohl und wollte ein Taxi um mit ihr ins Krankenhaus zu fahren. Nach einigen Minuten kam dann auch eines und die beiden wurden hineingesetzt. Ich hoffe, dass er sie jetzt wirklich dahin bringt und sie nicht ausnimmt, oder ihr sonstwas antut.
 Solche Dinge passieren und man kann nichts dagegen tun, dass Menschen krank werden und Aerzte brauchen. Was mich aber wirklich ankotzt ist diese Armut und die Ohnmacht die sie  erzeugt. Nicht nur Armut sondern kollektive Armut. Denn die Menschen hier sind zu arm um ihr zu helfen, wo sollten sie auch jemals eine „stabile Seitenlage“ gelernt haben, geschweige denn von  weiterfuerenden Kenntnissen in Erster Hilfe. Vermutlich hatte wirklich niemand genug Geld um einen Krankenwagen zu rufen. Und sie alle sind Teil einer armen Gesellschaft, die sich kein Gesundheitssystem leisten kann. SCHEISSE IST DAS DOCH.

Ich will hier auf keinen Fall eine Stimmung erzeugen, die den „armen“ in Deutschland zeigen soll wie gut es ihnen geht, weil sie immer darauf zaehlen koennen, dass sie eine gewisse Grundversorgung erhalten. Nein, wirklich nicht. Armut ist relativ und jemand der in Deutschland arm ist, der fuehlt sich subjektiv genauso beschissen wie jemand der arm in Afrika ist. Aber wer sich erhebt und das Gefuehl von Armut und damit verbundener Machtlosigkeit herunterspielt, den kann ich einfach nicht verstehen. Vielleicht ist das hier lebensbedrohlicher und die Angst ist existenzieller, aber ARM IST ARM. ARMUT macht OHNMACHT und die ist scheisse!!!

Ich schreibe das hier gerade ziemlich direkt und in meinem Magen kocht die Wut. Aber das schockiert mich wirklich, was ich hier gerade erlebt habe und immer wieder sehe: kollektive Ohnmacht!

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Nairobi overload

20 September, 2007 · Kommentar schreiben

Manchmal ist dann alles zu viel und das dann noch auf einmal! Gestern morgen hat neben mir eine Schiesserei im Zuge eines Bankueberfalles  stattgefunden. 20 Meter neben mir wurden Maschinengewehrsalven abgefeuert und bevor ich wusste, was passierte lag ich auch schon auf dem Boden, so wie alle anderen MEnschen um mich herum und wir robbten hinter einen LKW um Deckung zu suchen. Ueberrascht war ich, wie schnell man und auch ich wieder in den Alltag uebergingen: Nach fuenf Minuten steht man auf und geht weiter.

Danach hatte ich wieder eine weitere typische Kenia Erfahrung. Termine werden nicht eingehalten, persoenliche Grenzen ueberschritten bzw. nicht beachtet und dann durfte ich mich auch nochmal als Cash-Cow fuehlen. Mal wieder irgendwo vorgstellt worden und irgendwann die Frage, was ich denn nun tun koennte, bzw. immer die unterschwelligen Hinweise darauf, dass ich ja wirklich etwas veraendern koennte.

Nach diesem Tag hatte ich den Kaffee wirklich auf. Gut das man dann ins Bett geht und der Tag irgendwann zu Ende ist.

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Stoehnen und Augenrollen

19 September, 2007 · Kommentar schreiben

Nairobi ist wirklich eine sehr westlich gepraegte Stadt. Es gibt hier, abhaengig vom Preis, eigentlich alles zu kaufen. Die Menschen sprechen alle Englisch und tragen Klamotten wie in jeder anderen cosmopolitischen Grossstadt. Zumindest trifft das auf das Stadtzentrum, also Downtown, zu. Manchmal allerdings gibt es dann doch mehr oder weniger grosse kulturelle Unterschiede oder unterschiedliche Arbeitsweisen. Wobei es ein wenig einfach ist, einfach alles auf die afrikanische Kultur zurueckzufuehren, dass ergibt sicher einen falschen Eindruck. Aber auffallend ist eine gewisser Widerspruch, der einem hier im Dienstleistungssektor begegnet. Auf der einen Seite wird einem hier wirklich alles hinterhergetragen: Im Supermarkt packen Menschen meinen Einkauf in Tueten, wenn ich an der Kasse stehe. Die Obstwaage im Supermarkt darf ich nicht selbst bedienen, dafuer gibt es einen extra Mitarbeiter, im Restaurant schwirren mehr Kellner herum als bei uns und auch sonst ist es fast immer und fuer alles moeglich sich Arbeitskraft einzukaufen. Aber dies ist haeufig eher eine Sache der Quantitaet, denn bestellt man ein Vanilleeis mit Nuessen und Schokososse, so bekommt man durchaus mal ein Erdbeereis, ohne Nuesse und Sosse und fragt sich  warum das nun eine Stunde gedauert hat. Auf Wechselgeld im Restaurant warten man schon mal zehn Minuten und ich habe selten einen Kassierer an der Supermarktkasse mit soviel Musse arbeiten sehen, wie die Maenner und Frauen das hier tun. Ich habe mich an all dies mittlerweile gewoehnt und weiss, dass ich beim Einkaufen durchaus mal 15 Minuten in der Schlange stehe oder dass sich ein Kellner nur durch meine Bestellung nicht aus seinem Rhytmus bringen laesst. Es ist dann wirklich lustig zu sehen, wenn weisse Menschen, die offensichtlich noch nicht lange hier sind, an der Kasse stehen, die Augen rollen, tief Seufzen und versuchen irgendwie solidarische Reaktionen zu erhaschen, die sie spueren lassen, dass sie sich nicht allein aufregen. Diese Reaktionen bekommen sie nur sehr selten. Ihre Seufzer verhallen oft ungehoert in den Weiten der Supermarktschlange. Sie werden sich dran gewoehen oder noch lange stoehnen :)

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Words and Pictures

17 September, 2007 · 1 Kommentar

Ich stehe zwischen Karl Kani Hosen und schief aufgesetzten Schirm Muetzen und bin schwer damit beschaeftigt mich zu wundern. Um mich herum halten ca. 500 Menschen hier Faueste in die Luft und huepfen zum Takt der Musik. Ich habe mich heute mit einigen Bekannten aufs WaPi (Words and Pictures) gewagt, ein Hip-Hop Festival, dass einmal im Monat auf dem Grundstueck des britischen Kulturzentrums ausgrecihtet wird. Ich stelle fest, dass der sogenannte “Bling-Bling” Style (das Umhaengen von Diamentenketten, die ebenso unecht wie riesig sind und das Tragen von T-Shirts und Hosen in 8 fach Xtra-large), wie man dieses Outfit wohl nennt, ein wirklich globales Phaenomen ist, denn die Hip-Hopper in London, Berlin oder New York sehen fast genauso aus wie die, die sich hier herumtreiben. Das sagt mir wieder einmal, dass bestimmte Kulturphaenomaene tatsaechlich global sind. Aber das nur ganz am Rande.

Ich schaue mich also wundernd und erstaunt um und entdecke Tuerme aus Haaren und Menschen, die schusssichere Westen tragen, wohl als Zeichen dafuer, dass sie aus einem wirklich gefaehrlichen Gebiet kommen.

Nach einiger Zeit setze ich mich vor die Buehne um mal die “Skills” der Kuenstler auszuchecken und bin wirklich fasziniert, von den Dingen, die die Jungs und Maedels darbieten. Vor allem die Freestyler haben es mir angetan, sie koennen auf jedes beliebige Stichwort, dass ihnen zugeworfen wird oder auf einen Gegenstand der ihnen unter die Augen kommt, einen Rap beginnen, ohne Textvorgabe, einfach aus dem Stehgreif. Ich als einer von ca. 10 Weissen werde nach 15 Minuten auch gleich “Opfer” einer der Rapper. Hip Hop ist klassischerweise sehr gesellschaftskritisch und politisch und da wir in Afrika sind, ist eines der wichtigen Themen in den Texten die Ausbeutung durch die westliche Kultur und die Ignoranz, die die westliche Welt dem afrikanischen Kontinent entgegenbringt. Da bin ich als Weisser in der ersten Reihe dran und werde gedisst. Aber damit kann und muss ich wohl leben. Wir Hip Hopper nehmen das ja nicht gleich alles persoenlich.

Wirklich unwohl fuehle ich mich dann aber, als Dead Prez (fuer nahere Infos: http://en.wikipedia.org/wiki/Dead_Prez) unter lautestem Beifall auf die Buehne stuermen. Sie sind sehr bekannt fuer ihre harten politischen Texte. Ihrem Ruf warden sie direct gerecht, als sie sich bei der “fucking british organisation” fuer die Einladung und die Ausrichtung des Festivals bedanken. Danach folgen Lieder wie “Fuck the police” und “School”, die alle thematisieren, wie die Schwarzen von den weissen unterdrueckt werden. Ich habe nicht das Gefuehl direkt gemeint zu sein, aber die Stimmung ist alles ist sehr euphorisch und ich habe das Gefuehl hier der Feind zu sein. Als ich das den Maedels um mich herum erzaehle, die mit mir hierher gekommen sind, lachen sich ueber mich. Ich versuche auszublenden, dass mir irgendwer hier etwas Boeses wollen koennte. Ich versuche mit eher geringem Erfolg die Stimmung zu geniessen. Die Maedels bekommen das wesentlich besser hin, sie heben sogar die Faust in die Luft und huepfen zur Musik.

 

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Unerwartet

14 September, 2007 · Kommentar schreiben

Mein Projektleiter kuemmert sich neben dem Fussballprojekt noch um ein weiteres Projekt. Bei „Best Buddies“ werden geistig behinderte Kinder mit gesunden Kindern verkuppelt, damit sie gemeinsam Zeit verbringen. Der Sinn dahinter ist, den nicht behinderten Kindern die Angst vor diesen Kindern zu nehmen und die behinderten Kinder haben werden normal behandelt, sie fuehlen sich nicht wie Aussaetzige und koennen einfach mal Dinge tun, die fuer andere Kinder normal sind. Also ein Integrationsprojekt fuer geistig behinderte MEnschen, dass vom Begruender der Paralympics ins LEben gerufen wurde.

Im Rahmen dieses Projektes war ich am Mittwoch in einer Schule fuer geistig behinderte und war wirklich erstaunt. Denn die Kinder dort waren genauso wie die Kinder in den Behindertenwerkstaetten, die ich in Deutschland besucht habe. Na klar sind sie genauso sagt ihr, aber was ich meine, sie waren in ihrem Verhalten mir gegenueber genauso wie die Kinder in Deutschland. Es war ein gutes Gefuehl, dass es egal war, dass ich weiss bin. Sie haben einfach keine Ahnung, dass das etwas bedeuten koennte. Ich war interessant, alle wollten mit mir spielen, mir die Hand geben, abklatschen. SIe machten witze ueber mich und mit mir und als ich stolperte und mich fast lang gemacht haette, war ich der Lacher auf dem ganzen Schulhof. Die ganzen Erwartungen, die man sonst oft mit meiner Hautfarbe assoziiert, waren hier einfach weggewischt. Das war eine entspannende, wenn auch teilweise anstrengende Erfahung, schliesslich ist es nicht einfach sich gegen ca. 70 Haende zu verteidigen, die einem an Hemd Hose und Schuhen zupfen und ich musste mein Hemd unzaehlige Male wieder zumachen und meine Schuhe noch oefter wieder zubinden.

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freundlich bleiben

13 September, 2007 · Kommentar schreiben

Ich war ja letztes Wochenende in Mombasa und wir hatten die entfernte Hoffnung eventuell bei einem hier arbeitenden „Bekannten“ unterzukommen, der ein Haus in Diani Beach hat und dort auf jeden Fall ein paar Tage Urlaub machen wollte. Dieser Bekannte ist in Kenia aufgewachsen und hat hier sein Abitur gemacht. Er hatte noch einen Freund mitgebracht und zwei Maedels aus Deutschland waren auch noch dort. So richtig angemeldet haben wir uns bei ihm nicht und seine Begeisterung ueber unsere Anwesenheit hielt sich sehr in Grenzen. Dieser Umstand und die Tatsache, dass noch zwei weitere Damen aus Nairobi hinzukamen lies uns dann schnell zu dem Schluss kommen, dass es besser sei, wenn wir uns ein eigenes Haus (Cottage) mieten. Das taten wir dann auch, was wohl mit die beste Entscheidung dieses Wochenendes gewesen ist. Ich bin mir immer noch nicht ganz schluessig darueber, ob es irgendwas mit ihrer Vergangenheit (aufwachsen in einem fremden Land) zu tun hatte oder ob die beiden Typen einfach nur so furchtbare Zeitgenossen sind. Sie haben sich auf jeden Fall benommen wie die Axt im Walde. Ich habe mich beinahe bei jeder Gelegenheit, wo wir sie in der Strandbar oder im Restaurant erlebt haben geschaemt zu ihnen zu gehoeren (im Sinne von einen Tisch oder einen Platz teilen) Man begann mit dem Biertrinken um ca. 12 Uhr und hatte dann um 16 Uhr einen Pegel erreicht, der der eigenen Lautstaerke ziemlich nahe kam. Man konnte dann beobachten, wie kenianische Kellner kleingemacht und wie Dreck behandelt wurden. Ausserdem hatte einer der beiden auch immer eine Geschichte zu erzaehlen, die irgendwas mit Kugelhagel, Dauerfeuer, Krieg, Leichen oder Gewalt zu tun hatte. Dies war anfangs auch wirklich interessant, aber es wiederspricht jeder Wahrscheinlichkeit, dass einen Menschen all diese Kugeln, die man schon auf ihn abgefeuert hat, verfehlen koennen. Ansonsten konnte man von ihnen noch erfahren, dass auf ihren Grill kein „fucking-vegetarier-schwuchtel-Scheiss“ kommt. Wie gesagt keine angenehmen Zeitgenossen. Ich weiss nicht wieso und wahrscheinlich waere allein das eine Studie wert, aber ich moechte wirklich gerne mal wissen, ob ihre Persoenlichlkeit in irgendeiner Zusammenhang steht mit den Umstaenden in denen sie aufgewachsen sind. Mir sagte jemand, der die beiden kannte, dass man Bedienstete eben so behandele; wie Diener und das sie nicht gewohnt seien, dass man sich immer bedankt, laechlelt und freundlich ist. Ich weiss nicht wie man darueber denkt oder wie „man“ das macht, wenn man sein Leben lang Bedienstete um sich hatte und bedient worden ist, aber ich bin mir sicher, dass ich ein gewisses Mass an Respekt jedem Menschen entegegenbringen moechte. Ausserdem bin ich persoenlich froh, dass ich es nicht gewohnt bin, dass man mir meinen Apfel schaelt und mein Bett macht.

Beaengstigend ist das ganze dann, wenn man bedenkt, dass das Menschen sind, die hier Dauerhaft leben und somit auch ein Bild herstellen, dass man eventuell von uns Deutschen oder Weissen im Allgemeinen bekommen kann. Ich moechte eigentlich nicht, dass irgendwer solche Verhaltensweisen mit mir assoziert.

indischer Ozean

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