Naitobi

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In meiner geistigen Nachbarschaft

4 Januar, 2008 · Kommentar schreiben

Nun kehre ich nochmal zurück. In den letzten Tagen habe ich Nachrichten verfolgt, wie selten und die Homepage der Tagesschau  zu schätzen gelernt wie nie zuvor. Auf einmal haben Nachrichten eine ganz andere Bedeutung, weil ich einen persönlichen Bezug habe. Die Bilder, die ich aus Kenia sehe, tun sehr weh. Sie treffen mich zutiefst. Es ist nicht vorwiegend die Tatsache, dass ich unendlich dankbar bin, im sicheren Deutschland zu sein und die Dinge nicht mit eigenen Augen sehen zu müssen, sondern vielmehr berührt mich, dass tote Menschen auf Straßen liegen auf denen ich 2 Monate zuvor selbst gegangen bin. Auf einmal sind das nicht irgendwelche Meldungen von irgendwelchen Orten, irgendwo auf der Welt, sondern das sind Nachrichten aus der Nachbarschaft. Mir wird bewusst, wie labil so ein politisches System sein kann, auch wenn es noch so stabil aussieht. Wie schnell Unzufriedenheit, bittere Armut, Chancenungleichheit und Unterdrückung in Gewalt umschlägt, das sehe ich nun und verknüpfe es mit Dingen die ich erlebt habe. Den Menschen, die ich in Kenia kenne, scheint es gut zu gehen, aber angesichts der Tatsache, dass niemand weiß wie sich die Dinge weiterentwickeln werden, ist wohl auch das nicht sicher. Denn in diesem labilen System kann ein kaputtes Zahnrad die ganze Maschine zum Stillstand bringen. Wenn die Unruhen nicht bald aufhören und ein sowohl politischer wie gesellschaftlicher Weg aus der Krise gefunden wird, dann wird Kenia um Jahrzente zurückgeworfen. Die Menschen, die eh schon nichts haben, schlagen sich auch das noch entzwei. Zwischen eigentlich nicht entzweiten Volksgruppen entsteht ein Graben, dessen Überwindung viel Zeit und Kraft benötigen wird, die eigentlich für wirkliche Fortschritte genutzt werden könnte und müsste. Und der Wirtschaft, die in Kenia einigermaßen stabil aussah und Hoffnung machen konnte, wird der Hahn abgedreht. Denn in den nächsten Jahren würde der Tourismus versiegen und die Investitionen, die in ein destabilisiertes Land fließen würden wohl zurückgehen. Das bedeutet mehr Armut, mehr Hunger, mehr, mehr und mehr.  Und das alles findet statt an Orten, an denen ich war. In meiner geistigen Nachbarschaft.

Das trifft!!!

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Resozialisierungsversuche

2 Oktober, 2007 · Kommentar schreiben

Ja nun habe ich fast schon wieder so etwas wie Alltag hier in Osnabrueck. Auch wenn ich einige Dinge, die mir hier so begegnen einfach nicht fassen kann. Ich sitze uebrigens gerade in der Unibibliothek, die mir ein entferntes Gefuehl des „heimtlichen“ Cyber Cafes vemittelt, auch wenn die Rechner schneller und die Tastaturen heiler sind. Ich war heute im Lidl etwas einkaufen und auf einmal hoere ich ein kreischendes „EEEyyykk“ Eyyyykkk“, ich drehe mich um und hinter mir steht, nein sitzt ein aelterer Herr auf seinem von der Krankenkasse gesponsorten Feuerstuhl (elektirsch), bedient hektisch Hupe und Leuchte und schreit mich an, dass ich ihn ja genau gesehen habe und warum ich nicht aus dem weg gehen wuerde. Erstaunlich dieser Lebensmut. Schoen dachte ich, dass auch alte Menschen noch so aktiv am gesellschaftlichen Miteinander teilnehmen koennen, schade das sie dabei so laut Hupen und Schimpfen muessen. Ich sprang also beiseite, eine mir ja durchaus bekannte Bewegung und Matatu-Karl-Heinz brauste weiter Richtung saure Gurken.

Ich sitze also manchmal hier in meinem Heimatland und sehe Dinge, die ich nicht glauben kann. Alles etwas surreal. Ich hoffe ich bewahre mir die Fähigkeit mich zu wundern!!

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Resumee

28 September, 2007 · Kommentar schreiben

MMhh, nun sind meine letzten Stunden in Naitobi angebrochen und ich weiss nun gar nicht wie ich mich fuehle. Ich freue mich natuerlich schon auf die Menschen zu Hause, einige Dinge und sehne mich nach einem Kuehlschrank (Tuer auf, Milch raus, Tuer zu). Ausserdem werde ich mich wohl erstmal eine Stunde vor die Dusche stellen und einfach nur von heiss nach kalt und umgekehrt wechseln und es unbegreiflich finden, dass das so einfach geht. Aber Kenia bzw. Nairobi wird mir auch fehlen, kleine Rituale die ich lieb gewonnen habe, wie das Schreiben dieses Blogs, der Gang ins Internetcafe, die leckeren Bananen, die man wunderbar im Gehen verdruecken kann, ganz zu schweigen von den Menschen, die ich hier lieb gewonnen habe. Ich hoffe, ich kann mir ein wenig der hier gewonnenen Gelassenheit bewahren, die einfach manchmal kraftsparend ist, weil man sich nicht gleich ueber alles so aufregt, sondern manchmal einfach aktzeptiert (beispielsweise, dass es kein heisses Wasser gibt oder dass das Matatu jetzt eben ne Stunde im Stau steht). Ebenso wuensche ich mir, dass ich meine Offenheit Menschen gegenueber bewahren kann. Diese Offenheit, die sich hier ein bisschen auch zum Prinzip entwickelt hat. Also keine Scheu zu haben , Menschen anzusprechen, ihnen zu vertrauen und mit ihnen Zusammenzuarbeiten. Sicher zahlt man manchmal einen Preis, weil diese Offenheit ausgenutzt wird, aber unter dem Strich ist meine Rechnung hier weit im Plus, wenn man denn eine solche Rechnung wirklich aufmachen will und kann. Ich haette so viele Dinge nicht gesehen, nicht erlebt, um genau zu sein, waere ich nicht einmal hierher gelangt, wenn ich nicht offen gewesen waere und mich in fremde Haende begeben haette.

Gedanken und Ansichten haben sich hier zu wirklichen Prinzipien ausgeweitet. Mir war immer bewusst, dass ich Menschen auh wie Menschen behandeln will. Mir ist nun aber irgendwie klar geworden, dass es in diesem Punkt  keine Kompromisse fuer mich gibt. Auch wenn es der Kultur nicht entspricht Bedienstete freundlich zu behandeln, werde ich das doch tun und wenn es tatsaechlich besser „funktionieren“ sollte bettelnde Kinder und Beachboys zu ignorieren, als ihnen 10 Mal „No“ oder „Thanks“ zu sagen, dann versuche ich dennoh sie zu beachten.

Es gibt sicher noch 1000 Dinge, die mir bewusst werden, wenn ich weiter Nachdenke und wenn ich in Deutschland bin, dann werden mir sicher noch mehr Sachen klar werden, was ich aus diesem Aufenthalt mitnehmen werde und was ich hier gelernt habe.

Ich melde mich erstmal ab und linke mich in Deutschland wieder ins High Speed Internet ein!!!

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Glotze sehen

24 September, 2007 · 2 Kommentare

Hi,

 ich moechte mich nochmal ein wenig einem etwas heitererem Thema widmen, als ich es die letzten Tage gemacht habe. Es soll hier mal um das Fernsehen gehen, dass zwar viele Serien und Filme zeigt, die man bei uns auch sehen koennte, allerdings schaut man hier, was ich bisher gesehen habe ganz anders fern als bei uns.

Manchmal werden einfache Comedysendungen hier zu einer wahren Massenlachorgie. Ich sitze im Internet und wundere mich warum hier mehr und mehr Menschen auflaufen, aber den Computer garnicht benutzten. Als sich dann alle Blicke auf die Glotze richten wird mir klar. Man will nun zusammen irgendeine, fuer mich, seltsame Comedy Sendung aus den 80er Jahren gucken. Die Leute, die hier herumstehen lachen sich wirklich darueber scheckig, ich verstehe immer noch nicht warum. Ich finde es garnicht lustig. Naja.

Im Hostel wird Fernsehen mit dem gleichen Enthusiasmus geschaut, mit dem man bei uns ins Stadion geht. Hier laufen wirklich viele ganz ganz schlechte Soaps/Telenovelas, aus Japan, Spanien und Suedamerika. Die Zuschauer im Hostel schalten immer zu ihren Soaps und rufen dann „Cate“ zu, dass sie John nicht kuessen soll und schreien auf, wenn der Buttler „Ronald“ die Hausherrin wuergt. Das ist wirklich amuesant und ich fuehle mich oft wieder in das Verkehrskaspertheater aus der Grundschule zurueckversetzt.

Auch unterhaltsam sind die Kaempfe darum, was nun genau geschaut wird. Denn wenn ca. 50 Leute in einem Raum sitzen, dann gibt es da durchaus schonmal Meinungsunterschiede. Oft werden die dann so geloest, das einer der juengeren zum Fernseher geht und umschaltet. Dies wird dann unter einem fluchend klingenden Kommentar von einem aelteren Zuschauer wieder rueckgaengig gemacht. KOmmt der Platzhirsch, also einer der Residents, die im YMCA schon keinen Gaststatus mehr haben, dann diktiert er, was gesehen wird. Nicht selten fliessen dabei auch schonmal Traenen. Gerade die Mitglieder des derzeit im Hostel residierenden Special Olympics Teams koennen mit ihrer Enttschaeuschung oft nicht zurueckhalten und weinen oder schimpfen wie die R0hrspatzen.

Oft geht es aber auch nur darum, dass vorne etwas flimmert, denn mir kann keiner weissmachen, dass eine Gruppe von 30 Grundschuelern wirklich interessiert Nachrichten schaut. Vielmehr schauen sie wohl einfach gerne bzw. sie glotzen. Wenn man sich die 30 Gesichter anschaut, aus deren Mundwinkel haeufig schonmal ein Tropfen Sabber laeuft, dann wird einem sehr deutlich, was mit diesem Wort ausgedrueckt werden soll.

Apropos Nachrichten, fuer einen Europaer haben die Nachrichten hier wirklich kaum einen Informationswert. Exemplarisch will ich hier mal Schlagzeilen der gestrigen Abendnachrichten auflisten:

- Neue Partei gegruendet (die 201. jeden Tag werden neue gegruendet)

- Kalonzo (Praedidentschaftskandidat) in Limuru

- wieder mehr Flamingos im Lake Nakuru

- Schlaegerei bei Wahlveranstaltung von Raila (Praedidentschaftskandidat)

- Wetter

- Sport (Wobei es nur Bilder von Kenianischen Sportereignissen gibt. Mit Glueck mal ein paar Trainingaufnahmen aus England)

Man sieht also. Informationstechnisch bin ich voll auf der Hoehe. Gelobt sei das Internet und heiss erwartet der heutige Abend im Fernsehraum :)

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Nairobi Hospital

23 September, 2007 · Kommentar schreiben

Hi, eigentlich sollte ich jetzt ja gerade von Rhinos und Hippos umringt durch den Nationalpark „Hell’s Gate“ wandern oder eine Runde um den Vulkan von Mount Longonott drehen. Naja, man koennte sagen, dass das nicht so gut geklappt hat. Wir hatten uns gestern morgen richtung Naivasha aufgemacht und eben noch ein bisschen was von Kenia zu sehen. Als wir dort angekommen waren und im oertlichen YMCA unsere Huette bezogen haben, wanderten wir ein wenig durch die Gegend und wollten eine Boottour ueber den Lake Naivasha machen, wo man angeblich Nilpferde zu gesicht bekommen haette.

Kurz bevor dann aber das Boot besteigen wollten, wurde deutlich, dass eins von den beiden jungen Frauen, die mit denen ich zusammen unterwegs war, ein ernsthaftes gesundheitliches Problem hatte. Wir haben dann eine Zeit abgewartet und gehofft, dass eine baldige BEsserung eintreten wuerde. Wieder ein Plan der auf die Liste: „nicht geklappt“ hinzugefuegt werden kann. Naja ihr ging es schlechter und schlechter und wir diskutierten lange herum, was nun zu tun sei. Letztenendes haben dann ich und die Claudia ein Machtwort gesprochen und sind mit Christina wieder nach Nairobi gefahren, mit dem Taxi. Dort angekommen haben wir uns dann ins Nairobi Hospital eingebucht. Das ist das Krankenhaus, wo alle Mzungus und die anderen Reichen ;) hingehen. Wir mussten dann fuer die erste Konzultation 900 Schilling (= 11 Euro= 20% eines normalen Monatseinkommens) bezahelen. Christina wurde dann in „Observation“ genommen und an einen Monitor angeschlossen, Fierber gemessen und Tests auf Malaria, Typhus, andere Infektionen, wie Salmonellen etc.  gemacht, diese kosteten nochmal ca. 4000 KSh (= 44 Euro 75% eines Arbeiterlohnes). Nachdem wir dann ca. 3 1/2 Stunden auf die Ergebnisse gewartet haben, die eigentlich ne Stunde dauern sollten, wussten wir, dass sie weder Malaria noch Salmonellenvergiftung hatte, auch Typhus und aehnliches konnten wir bzw. die Aerzte ausschliessen. Also ENTWARNUNG auf ganzer Linie. Christina wurde dann gegen 12 Uhr in der Nacht entlassen und bekam Medikamente im Wert von 2000KSh veschrieben. Wir machten uns dann auf den Weg ins YMCA, weil Christina wir Christina nicht allein lassen wollten, weil der Weg der kuerzeste war und wir demnach die Taxikosten, die wir sonst fuer ihren Heimweg investiert haetten in die Unterkunft gesteckt haetten. Die ganze Aktion hat also ca. 11 000 KSh gekostet, wenn man die Taxifahrt als Rettungswagenfahrt einrechnet. Ich glaube sowohl wir, Christina, als auch ihre Eltern, finden, dass jeder Cent richtig investiert war. Schoen wenn man es hat!!!!

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Interkulturelles

20 September, 2007 · Kommentar schreiben

Gestern waren wir, zwei Deutsche, ein Oesterreicher ud ich, gemeinsam Essen, weil der Oesterreicher gestern abgereist ist und nun wieder in der Alpenrepublik verweilen wird. Er war wirklich froh wieder nach Hause zu kommen, auch wenn er, wie er sagte, gern noch mehr sehen wuerde. Nun ja. Das ist wohl fast normal, denn mit jedem Tag an dem ich hier Dinge sehe und erfahere, realiziere ich auch wieder Sachen, die ich noch nicht gesehen habe. Und es waere ja nicht gut zu gehen und das Gefuehl zu haben, alles gesehen, erlebt und erfahren zu haben. Wir haben uns  etwas ausgestauscht und erforscht, was uns am meisten beeindruckt, beschaeftigt und ueberrascht hat waehrend unsererZeit in Kenia. Dabei kamen natuerlich viele Dinge zusammen. Was aber auffallend war, dass wir alle in einem Punkt einer Meinung waren. Abgesehen von der sehr intensiven Zeit und den vielen Eindruecken, die wir mitnehmen werden, haben wir hier auch alle Situation erfahren, in denen wir respektlos und achtunglos  behandelt wurden, wie noch niemals zuvor. Wir konnten fast alle von Tischgespraechen berichten bei denen man sich ,offensichtlich ueber uns, auf Swaheli unterhielt oder sind auf Situationen gestossen, in denen man das Gefuehl hatte die eigene Anwesenheit sei voellig irrelevant. Auch ist eine gewisse ablehnende Haltung gegenueber den  „Weissen“ zu berichten gewesen. Ich habe darueber noch etwas nachgedacht und mir ist daraufhin nochmal bewusst geworden, wie wichtig interkulturelle Kompetenzen sind.  Man muss sich immer auch sich selbst ein wenig umstellen, wenn man mit „Fremden“ zu tun hat und muss einen Schritt aus seiner alltaeglichen Kultur herausmachen. 

Ich kann mich  im Beisein meines Gastes eben nicht ganz normal in meiner Alltagssprache unterhalten, sondern muss mich auf ihn einstellen, immer ein wenig auf ihn zuzugehen. Das kostet auch Zeit und Kraft und erfordert eben die Bereitschaft aller Beteiligten, aufeinander zuzugehen.Vielleicht sind wir in Europa darin irgendwie megr geuebt oder es ist ein Rest von der schwer belasteten GEschichte zwischen Europa und Afrika, was zu diesen oben beschriebenen Eindruecken fuehrt (Im Sinne von : Ihr habt uns so lange schlecht behandelt, warum sollen wir jetzt grossartig auf Euch zugehen?). Aber schade ist es, dass dann sowas haengen bleibt und den Eindruck einer solchen Reise trueben.

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Schuhe putzen

18 September, 2007 · 2 Kommentare

Auf dem Weg zum Buero komme ich jeden Tag an einem grossen Shopping Center vorbei. Vor diesem Center stehen Kabinen in denen junge Maenner gegen eine geringe Gebuehr ihre Schuhputzkuenste anbieten. Kuenste ist hier das richtige Wort, denn sie benutzen ettliche unterschiedliche Buersten, Tuecher und Cremes.  Ich habe mich zu Beginn meines Aufenthaltes sehr darueber gewundert und dachte oft, dass das schon irgendwie komisch sein muss, wenn jemand vor mir kniet und mir die Schuhe putzt. Ich kam nun aber von Tag zu Tag dort vorbei und sah, dass dort fast immer Leute in den Kabinen sassen, die diese Dienstleistung in Anspruch nahmen. Einen dieser Leute fragte ich dann mal nach dem Preis, dieser betrug seiner Aussage nach ca. 50 Cent.

Ich geriet nun jeden Tag ein wenig m,her in Bedraengnis, weil meine Schuhe wirklich etwas Pflege noetig hatten. Ich bin ettliche Male durch Regen, Wind und Wetter, Schlam und Slum gelaufen und somit waren sie nicht nur unansehlich, sondern dass Leder war wirklich strapaziert. Ich habe dann lange herumueberlegt und mich mit diesen Schuhen “herumgequaelt”. Vor zwei Wochen stand dann der Termin im Parlament an und da musste etwas passieren, weil ordentliche Kleidung ausdruecklich erwuenscht war. Ich habe dann irgendwann aufgehoert Zahlen zu schieben und habe mich einfach in die Kabine gesetzt. Ein komisches Gefuehl war das schon, aber besser haette das Geld nicht angelegt sein koennen. Die Schuhe haben eine Pflege erfahren, die ich ihnen niemals haette bieten koennen. Das Gefuehl bleibt dennoch komisch, aber was hat irgendwer davon, wenn ich mir Schuhcreme, Tuch und Buerste kaufe, um meine Schuhe selber zu putzen, damit ich dann ein besseres Gefuehl habe. Und am Ende meines Aufenthaltes weiss ich nicht wohin ich mit den Sachen soll und womoeglich wandern sie dann in den Muell. Vielleicht rede ich mir das ja auch nur schoen und ich verspreche in Deutschland putze ich dann wieder selbst meine Schuhe.

 

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Verantwortung

16 September, 2007 · Kommentar schreiben

Ich habe hier in den letzten Wochen wahnsinnig grosses Elend gesehen. Dinge, die man nicht vergessen wird und kann. Und all diese Dinge rufen Fragen in mir hervor, darueber, wie ich damit umgehen werde, wenn ich wieder daheim sein werde und auch hier gerate ich haeufig ins Gruebeln, wenn ich in einem Kaffeeladen sitze, meinen „House Coffee“ trinke und um mich herum nur weisse Menschen sind und ich und die anderen weissen Menschen werden „bewacht“ von einem schwarzen Securityguard. So ganz richtig ist das alles nicht. Und wenn ich an mein Leben zu Hause denke, so ist das auch nicht gerecht. Ich habe lange gegruebelt, wie ich damit umgehen soll und will und wie ich das Handhaben soll, hier und zu Hause in Deutschland. Meine Meinung dazu ist immer noch nicht eindeutig, aber ich denke, ich will das was ich hier gesehen und erlebt habe nicht vergessen. Auf der anderen Seite kann ich ja hier nicht und zu Hause schon garnicht Armut imitieren, damit ich nicht besser Lebe als es andere Menschen auf der Welt tuen. Ich moechte gerne die Verantwortung in meinem Bewusstsein bewahren. Also dass unser Wohlstand auch eine Verantwortung mit sich bringt fuer weniger Previligierte Menschen, ihnen zu helfen und irgendwie etwas beizutragen, damit sich hier etwas verbessert. Ich glaube Verantwortung ist in diesem Zusammenhang wirklich das Schluesselwort.  Es hilft ja niemandem, wenn ich daheim von Brot und Wasser lebe. Aber ich kann Menschen meine Eindruecke weitergeben, kann sie animieren, sich zu engagieren und sich mit der Thematik zu Beschaeftigen. Ich kann Menschen darauf aufmerksam machen, dass wir in einer Welt Leben und dass diese Menschen zwar weit entfernt sind, dass sie aber dennoch da sind.

Daraus resultiert auch, dass ich etwas  von der Gelassenheit bewahren meochte, die ich hier gewonnen habe. Einfach manchmal mit weniger zufrieden zu sein bzw. mit dem was man hat: „Vor mir steht Brot und Marmelade, warum muss sollte ich jetzt ueber den fehlenden Kaese maulen. Viel mehr habe ich davon die Marmelade zu essen und sie mir schmecken zu lassen“ (Immer gelingt mir das natuerlich auch nicht, sich die eiskalte Dusche warm zu reden bedarf schon viel posiven Denkens, aber es gelingt dennoch manchmal.  Ich bin mir zu Hause oftmals nicht bewusst, was ich alles habe, in welch grossem Wohlstand ich lebe. Ich muss mich dessen nicht schaemen, dass habe ich ja schon gesagt, nur kann man durchaus mit dem was man hat zufrieden sein, sich mal zuruecklehnen und auf das schauen was einen umgibt.

Und morgen versuche ich mal wieder was Lustiges  zu schreiben

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Ahnungen

15 September, 2007 · Kommentar schreiben

Ich bin nun sechs Wochen hier und habe mit er Zeit einige Erfahrungen im Umgang mit den Menschen gemacht und gelernt, was einige von mir Erwarten, was ich zu erwarten habe und wie man mit mir umgeht. Ein eindrucksvolles Beispiel, wie man mich zu benutzen versucht (klingt hart, aber genau das war der Hintergrund), wurde gestern gegeben. Ich war mit meinem Projektmanager in der Schule fuer geistig behinderte Kinder ( ich habe darueber ja schon geschrieben). Das Treffen fand in der benachbarten High School statt, wo ich auch den ehemaligen Direktor der Behindertenschule wiedertraf, den ich schon zwei Tage zuvor kennengelernt hatte. Interessant daran war, dass ich zwischen diesen Treffen eine deutsche Lehrerin kennenlernte, die mir erzaehlte, warum der ehemalige Direktor eben nicht mehr der aktuelle Direktor der Schule ist. Er hatte Geld unterschlagen, alle moeglichen Krummen Dinger laufen und einiges auf dem Kerbholz, so dass sie ihn im vergangenen Jahr von dieser Stelle entfernten.

Ich traf ihn also gestern nach dem „Best Buddies“ Meeting und er wollte mir gerne sein Center zeigen, was er gerade aufbaut. Abgesehen von dem unerfreulichen Spaziergang durch Mathare ( das schlimmste Slum Nairobis), bei dem ich nicht wirklich beachtet wurde, sondern einfach mal 30 Minuten hinter Herrn Direktor hinterherlaufen durfte und einem Gespraech ueber mich auf Swaheli lauschen konnte kamen wir dann in seinem Center an. Er zeigte mir die Webstuehle, auf denen er bzw. Kinder aus der Nachbarschaft typische kenianische Tuecher weben. Und da wusste ich sehr schnell wohin die Reise hier gehen wuerde!!! ich spielte das Spiel aber erstmal mit und lies mir den Rest der Werkstaetten zeigen, in denen noch KLeidung und Touristenschmuck produziert wird. Er erklaerte mir dann, dass das alles nicht einfach sei und das die Kinder ja auch nicht so lange arbeiten koennten(ich weiss nicht ob es sich dabei schon wirklich um Kinderarbeit handelte, aber supekt war und ist mir das ganze schon). Nach einem 20 minuetigen Rundgang kamen wir dann zu dem Moment in dem er mir einen Stuhl anbot und mir seine Idee erklaerte. Ich hatte auch schon darauf gewartet. Ich sollte nun also, so seine Idee, der Importeur fuer seine Touristenketten und Ohringe und sonstiges Geklimper werden. Es sei ales wunderschoener Schmuck und man koenne damit doch wirklich etwas fuer die Armen Kinder tun. Mein Verweis auf die deutsche Lehrerin, die ja schon fleissig Spenden sammelt und auch ein paar Ketten mitnimmt, die die behinderten Kinder basteln, um sie den Spendern zu schenken, lehnte er ab. Er verwies darauf, dass es wichtig sei, dass jede Organisation unabhaengig bleiben muesse und so weiter. Wirklich ekelhaft dieses Gefuehl einem Menschen gegenueberzusitzen, von dem man genau weiss, dass er nichts Gutes im Schilde fuehrt. Ich habe mich dann mit Verweisen auf meine mangelnde Zeit herauszuwinden versucht. Er lies allerdings nicht locker und ich versprach ihm mich in Deutschland umzhoeren und zu schauen, ob ich da was machen koenne.

Im Nachhinein bin ich einfach froh, dass mir diese Begegnung nun erst widerfahren ist, in der ersten Woche meines Aufenthaltes waere ich unvorbereiteter gewesen und haette nicht gewusst, wie ich mit dem Herrn umgehen soll. Ach ja ich vergass zu Erwahenen, dass er auch von mir wissen wollte, ob ihm helfen koenne einen elektrischen Webstuehl zu erwerben und wo man das eigentlich macht. Er wollte wissen, wie teuer so etwas ist und wieviel Meter man damit in der Woche produzieren kann. Lustiger Mann. Denn auf den Hinweis, dass ich Student sei und demnach kein spezialist fuer Textilindustrie sagte er, ich koenne mich ja mal umhoeren. Das werde ich und es wird bestimmt jemand meiner Studienkollegen schonmal professionell mit Webstuehlen gearbeitet haben.

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kein Reisefuehrer

13 September, 2007 · Kommentar schreiben

Ich kann an dieser Stelle nur sehr unzureichend wiedergeben, was ich in den letzten 5 Tagen gesehen und erlebt habe.Ich koennte Reisefuehrer zitieren und Bilder von weissen Straenden und wunderbarem Meer malen, dass habt ihr aber alle schon tausendfach gelesen und ist warhscheinlich ebenso spannend, wie ein Diaabend, von der Tante, von der Schwester von der Freundin, die vor 4 Jahren mal einen Urlaub in der Lueneburger Heide gemacht hat. Also werde ich versuchen ein bisschen was zu erzahelen, was sonst so passiert. Warum ich das schreibe? Die Beobachtungen und Eindruecke, die widergebe, sind durchaus kritisch und nachdenklich, was aber nicht heisst, dass ich die Zeit dort nicht genossen haette. DAS HABE ICH, aber die AUgen schliessen wollte ich auch nicht. Das ist eigentlich eine Bemerkung, die fuer meinen gesamten Aufenthalt gilt. Ich sehe hier so viele Dinge und es ist nicht immer einfach, den Ausgleich zu finden, zwischen wunderbaren Momenten und erschreckenden Eindruecken.
 

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