Naitobi

Tellerrand

27 September, 2007 · Kommentar schreiben

 Manchmal glaube ich, dass die Menschen hier relativ kurzsichtig sind und einfach keinen Blick fuer globalere Zusammenhaenge besitzen, das faengt schon im ganz Kleinen an und hoert dann bei den grossen „wichtigen“ Dingen auf. Ich esse beim Fruehstueck durchaus mal 3 oder auch 5 Stuecke Ananas und Banane und schneide mir daraus eine Fruchtschale zusammen. Ich denke, da ich weder Wurst, noch Porridge noch das Spiegelei esse ist das eigentlich kein grosse Sache. Heute nach ungefaehr 50 Fruehstueckssessions wurde ich von einer Mitarbeiterin angesprochen, dass es mir nur erlaubt sei einen Teller Obst zu essen. Ich habe ihr dann erklaert, dass ich alle anderen Sachen nicht esse und das deshalb so mache, andere Essen 5 Scheiben Brot und 3 Wuerste. Sie zog dann wieder ab und ich sagte ihr, ich werde die Regel morgen, an meinem letzten Tag, beachten :) .

Das ich bzw. die Menschen um mich herum dort jeden Tag noch ettliche andere  Dinge Essen, trinken und BEZAHLEN und dies auch woanders tun koennten bedenken sie dabei nicht. Sie denken also nur an 5 Stuecke Obst und nicht an den Kaffee und das Abendessen, dass sie mir zufriedenem Gast noch verkaufen koennen.

Und so zieht sich das eben noch weiter und weiter. Man beschwert sich ueber den Muell auf der Strasse und das Nairobi so dreckig ist, kaut dabei die Erdnuesse, deren Verpackung man dann direkt in den Graben wirft.

Man schimpft ueber die Verhaeltnisse in denen Menschen leben, man schimpft ueber soziale Unsicherheit und dass einige Alles haben und andere Nichts. Und dann zeigen mir die gleichen Menschen ganz stolz ein Modell von einer riesigen Shoppingmall, die in der Naehe gebaut werden soll. Ein Center, in das niemals ein Mensch aus dem Osten Nairobis wird gehen koennen, weil er es sich garnicht leisten kann, dort auch nur ne Cola zu trinken.

Und Enden tut das dann bei Dingen wie der „Grossen“ Politik. Man wahlt Politker von der Korruptheit man weiss, die sich die Diaeten stetig erhoehen, die nichts oderkaum etwas fuer die laendliche Bevoelkerung tun. Politiker engagieren Schlaeger um sich gegenseitig im Wahlkampf zu behindern und die Menschen wissen das. Trotzdem werden sie gewaehlt werden.

Das sind Zusammenhaenge die man hier irgendwie nicht sieht. Man schaut nicht ueber den Tellerrand nichtmal ueber den Fruehstuecksteller.

P.S. Und ich werde morgen trotzdem Fruechte essen und sogar mehr als Zwei Scheiben Ananas. HA

Kategorien: Denksnacks · Leben in Nairobi
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