Ich stehe zwischen Karl Kani Hosen und schief aufgesetzten Schirm Muetzen und bin schwer damit beschaeftigt mich zu wundern. Um mich herum halten ca. 500 Menschen hier Faueste in die Luft und huepfen zum Takt der Musik. Ich habe mich heute mit einigen Bekannten aufs WaPi (Words and Pictures) gewagt, ein Hip-Hop Festival, dass einmal im Monat auf dem Grundstueck des britischen Kulturzentrums ausgrecihtet wird. Ich stelle fest, dass der sogenannte “Bling-Bling” Style (das Umhaengen von Diamentenketten, die ebenso unecht wie riesig sind und das Tragen von T-Shirts und Hosen in 8 fach Xtra-large), wie man dieses Outfit wohl nennt, ein wirklich globales Phaenomen ist, denn die Hip-Hopper in London, Berlin oder New York sehen fast genauso aus wie die, die sich hier herumtreiben. Das sagt mir wieder einmal, dass bestimmte Kulturphaenomaene tatsaechlich global sind. Aber das nur ganz am Rande.
Ich schaue mich also wundernd und erstaunt um und entdecke Tuerme aus Haaren und Menschen, die schusssichere Westen tragen, wohl als Zeichen dafuer, dass sie aus einem wirklich gefaehrlichen Gebiet kommen.
Nach einiger Zeit setze ich mich vor die Buehne um mal die “Skills” der Kuenstler auszuchecken und bin wirklich fasziniert, von den Dingen, die die Jungs und Maedels darbieten. Vor allem die Freestyler haben es mir angetan, sie koennen auf jedes beliebige Stichwort, dass ihnen zugeworfen wird oder auf einen Gegenstand der ihnen unter die Augen kommt, einen Rap beginnen, ohne Textvorgabe, einfach aus dem Stehgreif. Ich als einer von ca. 10 Weissen werde nach 15 Minuten auch gleich “Opfer” einer der Rapper. Hip Hop ist klassischerweise sehr gesellschaftskritisch und politisch und da wir in Afrika sind, ist eines der wichtigen Themen in den Texten die Ausbeutung durch die westliche Kultur und die Ignoranz, die die westliche Welt dem afrikanischen Kontinent entgegenbringt. Da bin ich als Weisser in der ersten Reihe dran und werde gedisst. Aber damit kann und muss ich wohl leben. Wir Hip Hopper nehmen das ja nicht gleich alles persoenlich.
Wirklich unwohl fuehle ich mich dann aber, als Dead Prez (fuer nahere Infos: http://en.wikipedia.org/wiki/Dead_Prez) unter lautestem Beifall auf die Buehne stuermen. Sie sind sehr bekannt fuer ihre harten politischen Texte. Ihrem Ruf warden sie direct gerecht, als sie sich bei der “fucking british organisation” fuer die Einladung und die Ausrichtung des Festivals bedanken. Danach folgen Lieder wie “Fuck the police” und “School”, die alle thematisieren, wie die Schwarzen von den weissen unterdrueckt werden. Ich habe nicht das Gefuehl direkt gemeint zu sein, aber die Stimmung ist alles ist sehr euphorisch und ich habe das Gefuehl hier der Feind zu sein. Als ich das den Maedels um mich herum erzaehle, die mit mir hierher gekommen sind, lachen sich ueber mich. Ich versuche auszublenden, dass mir irgendwer hier etwas Boeses wollen koennte. Ich versuche mit eher geringem Erfolg die Stimmung zu geniessen. Die Maedels bekommen das wesentlich besser hin, sie heben sogar die Faust in die Luft und huepfen zur Musik.