Ich bin nun sechs Wochen hier und habe mit er Zeit einige Erfahrungen im Umgang mit den Menschen gemacht und gelernt, was einige von mir Erwarten, was ich zu erwarten habe und wie man mit mir umgeht. Ein eindrucksvolles Beispiel, wie man mich zu benutzen versucht (klingt hart, aber genau das war der Hintergrund), wurde gestern gegeben. Ich war mit meinem Projektmanager in der Schule fuer geistig behinderte Kinder ( ich habe darueber ja schon geschrieben). Das Treffen fand in der benachbarten High School statt, wo ich auch den ehemaligen Direktor der Behindertenschule wiedertraf, den ich schon zwei Tage zuvor kennengelernt hatte. Interessant daran war, dass ich zwischen diesen Treffen eine deutsche Lehrerin kennenlernte, die mir erzaehlte, warum der ehemalige Direktor eben nicht mehr der aktuelle Direktor der Schule ist. Er hatte Geld unterschlagen, alle moeglichen Krummen Dinger laufen und einiges auf dem Kerbholz, so dass sie ihn im vergangenen Jahr von dieser Stelle entfernten.
Ich traf ihn also gestern nach dem „Best Buddies“ Meeting und er wollte mir gerne sein Center zeigen, was er gerade aufbaut. Abgesehen von dem unerfreulichen Spaziergang durch Mathare ( das schlimmste Slum Nairobis), bei dem ich nicht wirklich beachtet wurde, sondern einfach mal 30 Minuten hinter Herrn Direktor hinterherlaufen durfte und einem Gespraech ueber mich auf Swaheli lauschen konnte kamen wir dann in seinem Center an. Er zeigte mir die Webstuehle, auf denen er bzw. Kinder aus der Nachbarschaft typische kenianische Tuecher weben. Und da wusste ich sehr schnell wohin die Reise hier gehen wuerde!!! ich spielte das Spiel aber erstmal mit und lies mir den Rest der Werkstaetten zeigen, in denen noch KLeidung und Touristenschmuck produziert wird. Er erklaerte mir dann, dass das alles nicht einfach sei und das die Kinder ja auch nicht so lange arbeiten koennten(ich weiss nicht ob es sich dabei schon wirklich um Kinderarbeit handelte, aber supekt war und ist mir das ganze schon). Nach einem 20 minuetigen Rundgang kamen wir dann zu dem Moment in dem er mir einen Stuhl anbot und mir seine Idee erklaerte. Ich hatte auch schon darauf gewartet. Ich sollte nun also, so seine Idee, der Importeur fuer seine Touristenketten und Ohringe und sonstiges Geklimper werden. Es sei ales wunderschoener Schmuck und man koenne damit doch wirklich etwas fuer die Armen Kinder tun. Mein Verweis auf die deutsche Lehrerin, die ja schon fleissig Spenden sammelt und auch ein paar Ketten mitnimmt, die die behinderten Kinder basteln, um sie den Spendern zu schenken, lehnte er ab. Er verwies darauf, dass es wichtig sei, dass jede Organisation unabhaengig bleiben muesse und so weiter. Wirklich ekelhaft dieses Gefuehl einem Menschen gegenueberzusitzen, von dem man genau weiss, dass er nichts Gutes im Schilde fuehrt. Ich habe mich dann mit Verweisen auf meine mangelnde Zeit herauszuwinden versucht. Er lies allerdings nicht locker und ich versprach ihm mich in Deutschland umzhoeren und zu schauen, ob ich da was machen koenne.
Im Nachhinein bin ich einfach froh, dass mir diese Begegnung nun erst widerfahren ist, in der ersten Woche meines Aufenthaltes waere ich unvorbereiteter gewesen und haette nicht gewusst, wie ich mit dem Herrn umgehen soll. Ach ja ich vergass zu Erwahenen, dass er auch von mir wissen wollte, ob ihm helfen koenne einen elektrischen Webstuehl zu erwerben und wo man das eigentlich macht. Er wollte wissen, wie teuer so etwas ist und wieviel Meter man damit in der Woche produzieren kann. Lustiger Mann. Denn auf den Hinweis, dass ich Student sei und demnach kein spezialist fuer Textilindustrie sagte er, ich koenne mich ja mal umhoeren. Das werde ich und es wird bestimmt jemand meiner Studienkollegen schonmal professionell mit Webstuehlen gearbeitet haben.