Naitobi

Hauptsache es steht was drauf

5 September, 2007 · Kommentar schreiben

Hier in Kenya ist es am wichtigsten, dass irgendetwas draufsteht. Wodrauf? Uberall!! Was muss draufstehen? Irgendwas!! Hier traegt niemand einfach nur Pullover. Entweder es stehen Markennamen drauf, dabei ist es nicht so wichtig welche Marke es ist, vielmehr ist die Groesse des Schriftzuges entscheidend. Das bedeutet es muss moeglichst gross irgendein Sportartikelhersteller draufstehen oder irgendein Modelabel. Ansonsten sind aber auch Werbegeschenke sehr beliebt, also Bier und Kakaohersteller, Tankstellen, Fluglinien oder Waschmittelfirmen (gerade diese waeren nicht gerade vom Werbeeffekt ueberzeugt, auf den man aus dem Zustand ihrer Shirts schliessen koennte, vor allem in den Slums). Wie gesagt, es ist total egal was draufsteht, Hauptsache es steht was drauf.

Und das faengt bei der Kleidung erst an. Die schon mehrfach erwaehnten Matatus fuehren diese Mitteilungswut nur weiter fort. Hier stehen dann mehr oder weniger wichtige Dinge drauf, angefangen mit politischen oder religioesen Statements: „We drive with good“ oder „I like democracy“, weiter geht es dann mit Bekenntnissen zu allen moegliche Sportlern, Musikern (oder das was sich so nennt, Stichwort „R’n'B kann man sich nicht schoensaufen“), Vereinen und Verbaende oder Lebenstylen (Reggea-Kiffen, Chillen, Afrika, Asien etc. pp). Man kann als Massstab feststellen, dass hier gilt, dass je bunter der Wagen ist, je besser. Irgendwas muss draustehen. Wichtig ist das nicht nur fuer Autofahrer, sondern auch den kleinsten Schubkarren ist diese Mitteilungswut zu beobachten. Die Besitzer dieser Karren haben allerdings nicht das Geld um sich Schilder von der Firma „Signs“, die machen sogar die Strassenschilder machen zu lassen, deshalb malen sie einfach auf Holzbretter den Namen eines Fussballers oder eines Vereins und binden dieses Schild dann an ihre Karre.  HAuptsache es steht was drauf!!!!

Auch fuer die Geschaefte, Imbisse und Shops ist der Besitz eines Schildes von zentraler Bedeutung. Jeder Laden hat was, was man rausstellen, aufhaengen oder hinstellen kann. Das ist wirklich auffallend. So etwas wie Schleichwerbung scheint es hier nicht zu geben. Denn an jeder Wand die irgendwie frei ist findet man Werbung fuer Sandalen, Margarine oder Seife. Man fragt sich, wer diese wohl malt, denn bei uns wird sowas auf Litfasssaeulen geklebt, aber malen koennte das niemand. Man hat auch keinerlei Skrupel fuer Digitaluhren oder Markenklamotten zu werben in Gegenden in denen die Menschen nicht wissen wie sie ihr Abendessen bezahlen sollen.

Und in Deutschland ebenfalls unvorstellbar ist die Tatsache, dass Polizisten Marken zur Schau stellen. Unter der Uniform sieht man den Nike Rollkragenpullover und die Zigarettenfirma hat den Regenschirm verschenkt. Und es ist nicht so das man das verstecken wuerde, eher im Gegenteil: Hauptsache es steht was drauf.

Kategorien: der Kopf kommt an