Naitobi

Beiträge vom September 2007

Resumee

28 September, 2007 · Kommentar schreiben

MMhh, nun sind meine letzten Stunden in Naitobi angebrochen und ich weiss nun gar nicht wie ich mich fuehle. Ich freue mich natuerlich schon auf die Menschen zu Hause, einige Dinge und sehne mich nach einem Kuehlschrank (Tuer auf, Milch raus, Tuer zu). Ausserdem werde ich mich wohl erstmal eine Stunde vor die Dusche stellen und einfach nur von heiss nach kalt und umgekehrt wechseln und es unbegreiflich finden, dass das so einfach geht. Aber Kenia bzw. Nairobi wird mir auch fehlen, kleine Rituale die ich lieb gewonnen habe, wie das Schreiben dieses Blogs, der Gang ins Internetcafe, die leckeren Bananen, die man wunderbar im Gehen verdruecken kann, ganz zu schweigen von den Menschen, die ich hier lieb gewonnen habe. Ich hoffe, ich kann mir ein wenig der hier gewonnenen Gelassenheit bewahren, die einfach manchmal kraftsparend ist, weil man sich nicht gleich ueber alles so aufregt, sondern manchmal einfach aktzeptiert (beispielsweise, dass es kein heisses Wasser gibt oder dass das Matatu jetzt eben ne Stunde im Stau steht). Ebenso wuensche ich mir, dass ich meine Offenheit Menschen gegenueber bewahren kann. Diese Offenheit, die sich hier ein bisschen auch zum Prinzip entwickelt hat. Also keine Scheu zu haben , Menschen anzusprechen, ihnen zu vertrauen und mit ihnen Zusammenzuarbeiten. Sicher zahlt man manchmal einen Preis, weil diese Offenheit ausgenutzt wird, aber unter dem Strich ist meine Rechnung hier weit im Plus, wenn man denn eine solche Rechnung wirklich aufmachen will und kann. Ich haette so viele Dinge nicht gesehen, nicht erlebt, um genau zu sein, waere ich nicht einmal hierher gelangt, wenn ich nicht offen gewesen waere und mich in fremde Haende begeben haette.

Gedanken und Ansichten haben sich hier zu wirklichen Prinzipien ausgeweitet. Mir war immer bewusst, dass ich Menschen auh wie Menschen behandeln will. Mir ist nun aber irgendwie klar geworden, dass es in diesem Punkt  keine Kompromisse fuer mich gibt. Auch wenn es der Kultur nicht entspricht Bedienstete freundlich zu behandeln, werde ich das doch tun und wenn es tatsaechlich besser „funktionieren“ sollte bettelnde Kinder und Beachboys zu ignorieren, als ihnen 10 Mal „No“ oder „Thanks“ zu sagen, dann versuche ich dennoh sie zu beachten.

Es gibt sicher noch 1000 Dinge, die mir bewusst werden, wenn ich weiter Nachdenke und wenn ich in Deutschland bin, dann werden mir sicher noch mehr Sachen klar werden, was ich aus diesem Aufenthalt mitnehmen werde und was ich hier gelernt habe.

Ich melde mich erstmal ab und linke mich in Deutschland wieder ins High Speed Internet ein!!!

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Tellerrand

27 September, 2007 · Kommentar schreiben

 Manchmal glaube ich, dass die Menschen hier relativ kurzsichtig sind und einfach keinen Blick fuer globalere Zusammenhaenge besitzen, das faengt schon im ganz Kleinen an und hoert dann bei den grossen „wichtigen“ Dingen auf. Ich esse beim Fruehstueck durchaus mal 3 oder auch 5 Stuecke Ananas und Banane und schneide mir daraus eine Fruchtschale zusammen. Ich denke, da ich weder Wurst, noch Porridge noch das Spiegelei esse ist das eigentlich kein grosse Sache. Heute nach ungefaehr 50 Fruehstueckssessions wurde ich von einer Mitarbeiterin angesprochen, dass es mir nur erlaubt sei einen Teller Obst zu essen. Ich habe ihr dann erklaert, dass ich alle anderen Sachen nicht esse und das deshalb so mache, andere Essen 5 Scheiben Brot und 3 Wuerste. Sie zog dann wieder ab und ich sagte ihr, ich werde die Regel morgen, an meinem letzten Tag, beachten :) .

Das ich bzw. die Menschen um mich herum dort jeden Tag noch ettliche andere  Dinge Essen, trinken und BEZAHLEN und dies auch woanders tun koennten bedenken sie dabei nicht. Sie denken also nur an 5 Stuecke Obst und nicht an den Kaffee und das Abendessen, dass sie mir zufriedenem Gast noch verkaufen koennen.

Und so zieht sich das eben noch weiter und weiter. Man beschwert sich ueber den Muell auf der Strasse und das Nairobi so dreckig ist, kaut dabei die Erdnuesse, deren Verpackung man dann direkt in den Graben wirft.

Man schimpft ueber die Verhaeltnisse in denen Menschen leben, man schimpft ueber soziale Unsicherheit und dass einige Alles haben und andere Nichts. Und dann zeigen mir die gleichen Menschen ganz stolz ein Modell von einer riesigen Shoppingmall, die in der Naehe gebaut werden soll. Ein Center, in das niemals ein Mensch aus dem Osten Nairobis wird gehen koennen, weil er es sich garnicht leisten kann, dort auch nur ne Cola zu trinken.

Und Enden tut das dann bei Dingen wie der „Grossen“ Politik. Man wahlt Politker von der Korruptheit man weiss, die sich die Diaeten stetig erhoehen, die nichts oderkaum etwas fuer die laendliche Bevoelkerung tun. Politiker engagieren Schlaeger um sich gegenseitig im Wahlkampf zu behindern und die Menschen wissen das. Trotzdem werden sie gewaehlt werden.

Das sind Zusammenhaenge die man hier irgendwie nicht sieht. Man schaut nicht ueber den Tellerrand nichtmal ueber den Fruehstuecksteller.

P.S. Und ich werde morgen trotzdem Fruechte essen und sogar mehr als Zwei Scheiben Ananas. HA

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Geradeaus

26 September, 2007 · Kommentar schreiben

So nun geht es auf die letzten Tage, Stunden was auch immer zu. Ich habe ein wenig dessen wiedergefunden, was ich dachte hier total verloren zu haben. Mein Antrieb und meine Laune sind wieder zurueck und mich nervt die Stadt nicht merh so an, wie das Zwischenzeitlich der Fall war. Woran das liegt, ich glaube an innerer Einstellung, denn sauberer gerechter oder ruhiger ist Nairobi nihct geworden. Aber ich habe immer versucht hier Dinge auf mich zukommen zu lassen und ein bisschen versucht die Leine Lang zu lassen, um moeglichst offen zu sein. Ich habe immer versucht gerade heraus zu sein und dabei einige Prinzipien aber nicht aufzugeben, sie aber wenn noetig auf ihre Sinnhaftigkeit zu pruefen. Ein Beispiel dafuer ist der Umgang mit Bediensteten. Mir ist egal, was die Menschen hier gewohnt sind, ob sie irritiert sind, wenn man nach dem Schuheputzen „danke“ sagt oder „Bitte“ sagt, wenn man etwas moechte. Mir ist das wichtig und ich behalte das bei. Meine Freundlichkeit gebe ich hier nicht auf.

Ebenso gebe ich meine Ehrlichkeit nicht auf. Es gibt immer wieder Gelegenheiten bei denen ich verfuehrt bin den einfachen Weg zu gehen, bei denen ich Konflikte meiden koennte. Aber eigentlich bin ich gut damit gefahren meine Meinung zu sagen und den Menschen mitzuteilen, wenn mir wirklich etwas missviel oder ich enttaeuscht wurde.

Prinzipien sind wirklich nicht immer einfach, aber das hat jha auch niemand behauptet. Es ist eben nicht leicht korrekt und aufrichtig zu verhalten. Aber wenn ich den einfach den einfachen Weg haette gehen wollen, waere ich dann hier?

 P.S.: Dieser Beitrag soll keine Selbstbeweihraeucherung sein, aber ich habe immer wiedergegeben, was mich beschaeftigt hat und das ist in meinen letzten Tagen sehr aktuell und staendig in meinem Bewusstsein.

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Zeigefinger, Gaumenfreuden, Nasengeraeusche

25 September, 2007 · 2 Kommentare

Hier , darueber wollte ich eigentlich schon lange mal schreiben, herrscht eine voellig andere Kultur der Koerpergeraeusche und man untersucht koerperoeffnungen wesentlich freier als man dies in Deutschland tut. Nein hier fummelt sich niemand in der Oeffentlichkeit im Po herum. Aber gepopelt wird bis der Arzt kommt. Wirklich. Frauen und Maenner, egal wo, egal wann, voellig ungezwungen. Manchmal wirkt das richtig erfrischend, wenn im Restaurant eine Frau im Hosenanzug sitzt und sich den Finger in den Kopf steckt, ganz selbstverstaendlich und vertraeumt. Dabei tut sie ja Keinem etwas und der Kontrast zwischen der Buisnesshuelle und dem befreienden gebohre, der gefaellt mir fast. Weniger gefallen tut mir alerdings das Hochziehen, das speziell Maenner wunderbar beherrschen. Gemeint ist das Naseputzen nach innen. Im Bus oder im Cybercafe ist das besonders schoen, wenn neben einem jemand alle 10 Sekunden 50 Gramm Schleimhaut ein Handbreit hoeher befoerdert. Lecker lecker.

Ruelpsen ist hier auch alles andere als ungewoehnlich, nach dem Essen sowieso, aber auch sonst bei jeder Gelegenheit. Mund zu? Nicht doch! Immer raus mit allem was keine Miete zahlt!!!

Am Anfang wirkte das sehr befremdelich. Aber mittlerweile aktzeptiere ich es halt, was soll ich auch machen und ausserdem ist es eben auch ne Frage der Kultur. Eine eruopaeische Bekannte hat sich darueber mal aufgeregt, aber ich kann mich halt ueber einen unterschiedlichen kulturell gepraegten Umgang mit Koerpergeraeuschen aufregen oder ich kann es lassen.  Keinesfalls wuerde ich soweit gehen und behaupten, dass das ein Zeichen mangelnder Zivilisation ist. Es ist eben ein anderer Umgang!!! Und lieber Nase hochziehen als sich andauernd in den Schritt zu greifen, um zu sehen, ob noch alles da ist wo es hingehoert. Das hab ich hier noch nie gesehen.

Uuund Popeln hat  hier auch eine sinnvolle Funktion, das sei noch eingfuegt, denn durch die Luftverschmutztung kann auch ich jeden Abend ne gute Portion Material aus meinem Kolben herausholen.

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Glotze sehen

24 September, 2007 · 2 Kommentare

Hi,

 ich moechte mich nochmal ein wenig einem etwas heitererem Thema widmen, als ich es die letzten Tage gemacht habe. Es soll hier mal um das Fernsehen gehen, dass zwar viele Serien und Filme zeigt, die man bei uns auch sehen koennte, allerdings schaut man hier, was ich bisher gesehen habe ganz anders fern als bei uns.

Manchmal werden einfache Comedysendungen hier zu einer wahren Massenlachorgie. Ich sitze im Internet und wundere mich warum hier mehr und mehr Menschen auflaufen, aber den Computer garnicht benutzten. Als sich dann alle Blicke auf die Glotze richten wird mir klar. Man will nun zusammen irgendeine, fuer mich, seltsame Comedy Sendung aus den 80er Jahren gucken. Die Leute, die hier herumstehen lachen sich wirklich darueber scheckig, ich verstehe immer noch nicht warum. Ich finde es garnicht lustig. Naja.

Im Hostel wird Fernsehen mit dem gleichen Enthusiasmus geschaut, mit dem man bei uns ins Stadion geht. Hier laufen wirklich viele ganz ganz schlechte Soaps/Telenovelas, aus Japan, Spanien und Suedamerika. Die Zuschauer im Hostel schalten immer zu ihren Soaps und rufen dann „Cate“ zu, dass sie John nicht kuessen soll und schreien auf, wenn der Buttler „Ronald“ die Hausherrin wuergt. Das ist wirklich amuesant und ich fuehle mich oft wieder in das Verkehrskaspertheater aus der Grundschule zurueckversetzt.

Auch unterhaltsam sind die Kaempfe darum, was nun genau geschaut wird. Denn wenn ca. 50 Leute in einem Raum sitzen, dann gibt es da durchaus schonmal Meinungsunterschiede. Oft werden die dann so geloest, das einer der juengeren zum Fernseher geht und umschaltet. Dies wird dann unter einem fluchend klingenden Kommentar von einem aelteren Zuschauer wieder rueckgaengig gemacht. KOmmt der Platzhirsch, also einer der Residents, die im YMCA schon keinen Gaststatus mehr haben, dann diktiert er, was gesehen wird. Nicht selten fliessen dabei auch schonmal Traenen. Gerade die Mitglieder des derzeit im Hostel residierenden Special Olympics Teams koennen mit ihrer Enttschaeuschung oft nicht zurueckhalten und weinen oder schimpfen wie die R0hrspatzen.

Oft geht es aber auch nur darum, dass vorne etwas flimmert, denn mir kann keiner weissmachen, dass eine Gruppe von 30 Grundschuelern wirklich interessiert Nachrichten schaut. Vielmehr schauen sie wohl einfach gerne bzw. sie glotzen. Wenn man sich die 30 Gesichter anschaut, aus deren Mundwinkel haeufig schonmal ein Tropfen Sabber laeuft, dann wird einem sehr deutlich, was mit diesem Wort ausgedrueckt werden soll.

Apropos Nachrichten, fuer einen Europaer haben die Nachrichten hier wirklich kaum einen Informationswert. Exemplarisch will ich hier mal Schlagzeilen der gestrigen Abendnachrichten auflisten:

- Neue Partei gegruendet (die 201. jeden Tag werden neue gegruendet)

- Kalonzo (Praedidentschaftskandidat) in Limuru

- wieder mehr Flamingos im Lake Nakuru

- Schlaegerei bei Wahlveranstaltung von Raila (Praedidentschaftskandidat)

- Wetter

- Sport (Wobei es nur Bilder von Kenianischen Sportereignissen gibt. Mit Glueck mal ein paar Trainingaufnahmen aus England)

Man sieht also. Informationstechnisch bin ich voll auf der Hoehe. Gelobt sei das Internet und heiss erwartet der heutige Abend im Fernsehraum :)

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Nairobi Hospital

23 September, 2007 · Kommentar schreiben

Hi, eigentlich sollte ich jetzt ja gerade von Rhinos und Hippos umringt durch den Nationalpark „Hell’s Gate“ wandern oder eine Runde um den Vulkan von Mount Longonott drehen. Naja, man koennte sagen, dass das nicht so gut geklappt hat. Wir hatten uns gestern morgen richtung Naivasha aufgemacht und eben noch ein bisschen was von Kenia zu sehen. Als wir dort angekommen waren und im oertlichen YMCA unsere Huette bezogen haben, wanderten wir ein wenig durch die Gegend und wollten eine Boottour ueber den Lake Naivasha machen, wo man angeblich Nilpferde zu gesicht bekommen haette.

Kurz bevor dann aber das Boot besteigen wollten, wurde deutlich, dass eins von den beiden jungen Frauen, die mit denen ich zusammen unterwegs war, ein ernsthaftes gesundheitliches Problem hatte. Wir haben dann eine Zeit abgewartet und gehofft, dass eine baldige BEsserung eintreten wuerde. Wieder ein Plan der auf die Liste: „nicht geklappt“ hinzugefuegt werden kann. Naja ihr ging es schlechter und schlechter und wir diskutierten lange herum, was nun zu tun sei. Letztenendes haben dann ich und die Claudia ein Machtwort gesprochen und sind mit Christina wieder nach Nairobi gefahren, mit dem Taxi. Dort angekommen haben wir uns dann ins Nairobi Hospital eingebucht. Das ist das Krankenhaus, wo alle Mzungus und die anderen Reichen ;) hingehen. Wir mussten dann fuer die erste Konzultation 900 Schilling (= 11 Euro= 20% eines normalen Monatseinkommens) bezahelen. Christina wurde dann in „Observation“ genommen und an einen Monitor angeschlossen, Fierber gemessen und Tests auf Malaria, Typhus, andere Infektionen, wie Salmonellen etc.  gemacht, diese kosteten nochmal ca. 4000 KSh (= 44 Euro 75% eines Arbeiterlohnes). Nachdem wir dann ca. 3 1/2 Stunden auf die Ergebnisse gewartet haben, die eigentlich ne Stunde dauern sollten, wussten wir, dass sie weder Malaria noch Salmonellenvergiftung hatte, auch Typhus und aehnliches konnten wir bzw. die Aerzte ausschliessen. Also ENTWARNUNG auf ganzer Linie. Christina wurde dann gegen 12 Uhr in der Nacht entlassen und bekam Medikamente im Wert von 2000KSh veschrieben. Wir machten uns dann auf den Weg ins YMCA, weil Christina wir Christina nicht allein lassen wollten, weil der Weg der kuerzeste war und wir demnach die Taxikosten, die wir sonst fuer ihren Heimweg investiert haetten in die Unterkunft gesteckt haetten. Die ganze Aktion hat also ca. 11 000 KSh gekostet, wenn man die Taxifahrt als Rettungswagenfahrt einrechnet. Ich glaube sowohl wir, Christina, als auch ihre Eltern, finden, dass jeder Cent richtig investiert war. Schoen wenn man es hat!!!!

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Mimik

23 September, 2007 · Kommentar schreiben

In den letzten 7 Wochen habe ich glaube ich mehr ueber Mimik und Gestik gelernt als jemals zuvor. Jeden Tag, wenn ich durch die Strassen gehe, schauen mich Menschen an und schon da beginnen sich grosse Unterschiede auzuzeigen. EInige Menschen schauen mich an, weil ich natuerlich auffalle: Weiss und Blond. Aber es gibt dann Menschen, die Starren regelrecht und koennen ihren Blick nicht von mir lassen und dann gibt es wieder andere, die Blicke durch bestimmte mimische Bewegungen ergaenzen: Sie ziehen die Augenbrauen hoch nicken auffordernd mit dem Kopf. Diese Auffordernden Mimiken gehen dann oft fliessend ueber mit Ansprachen: „Jambo“ oder auch immer gern durch ein „My Friend“ oder „Brother“ ergaenzt. Natuerlich hoere ich am Tag ca. 70 mal „Taxi“ begleitet von einer einladend, lockenden Kopfbewegung. Lustig ist die Frage „Maybe Taxi“, denn die Anwort „Maybe not“ wurde eher grummelnd hingenommen.

Ich werde staendig angelaechelt und wenn ich zu viel zuruecklaechele, dann habe ich gleich einen „Friend“ oder „Brother“ an meiner Seite, der mit mit mal ein bisschen ueber das Buisness plauschen moechte. Ich muss hier oft wirklich arrogant wirken, auch wenn ich auch dem 15 Taxifahrer noch eine Reaktion entgegenbringe und sei es nur ein Kopfschuetteln.

Manchmal, leider wirklich selten, findet mal mal so richtige Lacher oder Laechler, der offenen Art. Fast immer sind es  Kinder und Muetter dieser Kinder. Die Kinder, die mich mit grossen Augen ansehen, weil sie einfach verwundert sind ueber das was sie sehen und wenn ich dann ehrlich und offen zureckstaune oder laechele, also so, dass das das ganze Gesicht laechelt, dann lachen sie zurueck und die Mutter haeufig auch, obwohl ich sie nicht kenne. Sie ist nicht meine „Sister“ und meine „Friend“ ist sie auch nicht und nichtmal ein Taxi hat sie.

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Wuetende Ohnmacht

21 September, 2007 · 1 Kommentar

Ich muss gerade was loswerden: ARMUT IST SCHEISSE!!! Sie macht immer bohnmaechtig und das im wahrsten Sinne des Wortes. Man fuehlt sich und man ist ohne Macht. Und mich macht das wuetend, wirklich wuetend. Ich koennte gerade schreien.  Gerade bin ich durch die Stadt gegangen und auf der Strasse lag eine Frau, 20 Menschen standen drumherum. Ich bin kein Arzt und habe mich auf die Macht des Kollektivs verlassen. Nach dem Motto:“Die werden sich schon kuemmern“. Zehn Meter weiter schlug es aber in meinem Kopf auf, dass die ja gar keine Mittel haben, sich zu kuemmern. Im schlimmsten Falle stehen da zehn Menschen und sehen wie die Frau verreckt. Ich bin dann in die naechste Apotheke und habe mir Einmalhandschuhe gekauft und bin zurueck, um wenigstens erste Hilfe zu leisten. Keine Ahnung ich bin kein Arzt, aber Nichts tun geht auch nicht. Es standen mittlerweile 20 Menschen drumherum und die Frau lag verschwitzt und voellig unversorgt auf dem Boden. Auf meine Frage ob jemand schon einen Krankenwagen gerufen habe, sah ich in viele fragende Gesichter. Vermutlich hatte keiner mehr Guthaben auf seinem Handy. Irgendein Mann kannte die junge Frau dann wohl und wollte ein Taxi um mit ihr ins Krankenhaus zu fahren. Nach einigen Minuten kam dann auch eines und die beiden wurden hineingesetzt. Ich hoffe, dass er sie jetzt wirklich dahin bringt und sie nicht ausnimmt, oder ihr sonstwas antut.
 Solche Dinge passieren und man kann nichts dagegen tun, dass Menschen krank werden und Aerzte brauchen. Was mich aber wirklich ankotzt ist diese Armut und die Ohnmacht die sie  erzeugt. Nicht nur Armut sondern kollektive Armut. Denn die Menschen hier sind zu arm um ihr zu helfen, wo sollten sie auch jemals eine „stabile Seitenlage“ gelernt haben, geschweige denn von  weiterfuerenden Kenntnissen in Erster Hilfe. Vermutlich hatte wirklich niemand genug Geld um einen Krankenwagen zu rufen. Und sie alle sind Teil einer armen Gesellschaft, die sich kein Gesundheitssystem leisten kann. SCHEISSE IST DAS DOCH.

Ich will hier auf keinen Fall eine Stimmung erzeugen, die den „armen“ in Deutschland zeigen soll wie gut es ihnen geht, weil sie immer darauf zaehlen koennen, dass sie eine gewisse Grundversorgung erhalten. Nein, wirklich nicht. Armut ist relativ und jemand der in Deutschland arm ist, der fuehlt sich subjektiv genauso beschissen wie jemand der arm in Afrika ist. Aber wer sich erhebt und das Gefuehl von Armut und damit verbundener Machtlosigkeit herunterspielt, den kann ich einfach nicht verstehen. Vielleicht ist das hier lebensbedrohlicher und die Angst ist existenzieller, aber ARM IST ARM. ARMUT macht OHNMACHT und die ist scheisse!!!

Ich schreibe das hier gerade ziemlich direkt und in meinem Magen kocht die Wut. Aber das schockiert mich wirklich, was ich hier gerade erlebt habe und immer wieder sehe: kollektive Ohnmacht!

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Nairobi overload

20 September, 2007 · Kommentar schreiben

Manchmal ist dann alles zu viel und das dann noch auf einmal! Gestern morgen hat neben mir eine Schiesserei im Zuge eines Bankueberfalles  stattgefunden. 20 Meter neben mir wurden Maschinengewehrsalven abgefeuert und bevor ich wusste, was passierte lag ich auch schon auf dem Boden, so wie alle anderen MEnschen um mich herum und wir robbten hinter einen LKW um Deckung zu suchen. Ueberrascht war ich, wie schnell man und auch ich wieder in den Alltag uebergingen: Nach fuenf Minuten steht man auf und geht weiter.

Danach hatte ich wieder eine weitere typische Kenia Erfahrung. Termine werden nicht eingehalten, persoenliche Grenzen ueberschritten bzw. nicht beachtet und dann durfte ich mich auch nochmal als Cash-Cow fuehlen. Mal wieder irgendwo vorgstellt worden und irgendwann die Frage, was ich denn nun tun koennte, bzw. immer die unterschwelligen Hinweise darauf, dass ich ja wirklich etwas veraendern koennte.

Nach diesem Tag hatte ich den Kaffee wirklich auf. Gut das man dann ins Bett geht und der Tag irgendwann zu Ende ist.

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Interkulturelles

20 September, 2007 · Kommentar schreiben

Gestern waren wir, zwei Deutsche, ein Oesterreicher ud ich, gemeinsam Essen, weil der Oesterreicher gestern abgereist ist und nun wieder in der Alpenrepublik verweilen wird. Er war wirklich froh wieder nach Hause zu kommen, auch wenn er, wie er sagte, gern noch mehr sehen wuerde. Nun ja. Das ist wohl fast normal, denn mit jedem Tag an dem ich hier Dinge sehe und erfahere, realiziere ich auch wieder Sachen, die ich noch nicht gesehen habe. Und es waere ja nicht gut zu gehen und das Gefuehl zu haben, alles gesehen, erlebt und erfahren zu haben. Wir haben uns  etwas ausgestauscht und erforscht, was uns am meisten beeindruckt, beschaeftigt und ueberrascht hat waehrend unsererZeit in Kenia. Dabei kamen natuerlich viele Dinge zusammen. Was aber auffallend war, dass wir alle in einem Punkt einer Meinung waren. Abgesehen von der sehr intensiven Zeit und den vielen Eindruecken, die wir mitnehmen werden, haben wir hier auch alle Situation erfahren, in denen wir respektlos und achtunglos  behandelt wurden, wie noch niemals zuvor. Wir konnten fast alle von Tischgespraechen berichten bei denen man sich ,offensichtlich ueber uns, auf Swaheli unterhielt oder sind auf Situationen gestossen, in denen man das Gefuehl hatte die eigene Anwesenheit sei voellig irrelevant. Auch ist eine gewisse ablehnende Haltung gegenueber den  „Weissen“ zu berichten gewesen. Ich habe darueber noch etwas nachgedacht und mir ist daraufhin nochmal bewusst geworden, wie wichtig interkulturelle Kompetenzen sind.  Man muss sich immer auch sich selbst ein wenig umstellen, wenn man mit „Fremden“ zu tun hat und muss einen Schritt aus seiner alltaeglichen Kultur herausmachen. 

Ich kann mich  im Beisein meines Gastes eben nicht ganz normal in meiner Alltagssprache unterhalten, sondern muss mich auf ihn einstellen, immer ein wenig auf ihn zuzugehen. Das kostet auch Zeit und Kraft und erfordert eben die Bereitschaft aller Beteiligten, aufeinander zuzugehen.Vielleicht sind wir in Europa darin irgendwie megr geuebt oder es ist ein Rest von der schwer belasteten GEschichte zwischen Europa und Afrika, was zu diesen oben beschriebenen Eindruecken fuehrt (Im Sinne von : Ihr habt uns so lange schlecht behandelt, warum sollen wir jetzt grossartig auf Euch zugehen?). Aber schade ist es, dass dann sowas haengen bleibt und den Eindruck einer solchen Reise trueben.

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