Naitobi

Beiträge vom August 2007

Cyberstories

31 August, 2007 · 3 Kommentare

Hier in Kenia hat niemand ein Festnetztelefon. Erst seit ungefaehr  fuenf Jahren haben Mobiltelefone hier einzug gefunden und sind relativ guenstig. Da aber die Menschen hier das Telefonieren nicht so gewohnt sind, gibt es hier, wie ich und auch schon viele andere beobachtet haben eine ganz andere Telefonkulur.  

Man geht an sein Handy ohne sich zu melden. Ich bin dann immer sehr konsterniert und weiss ja nicht wen ich an der anderen Seite an der Leitung habe. Ich frage dann immer und es kommt ein verwirrter Hinweis auf die Identitaet des Gegenuebers, der nicht selten aus einem einfachen „It’s me“ besteht. Naja es wird dann  oft nur seeeeehhhhr kurz gesprochen. Telefonate wie dieses sind immer wieder zu beobachten oder zu hoeren: „Uganda House“ Hier ging es offensichtlich darum, wo der angerufene sich gerade befindet. Wirklich komisch. Aber man achtet da eben auf den Shiling.

Ausserdem sind telefonote vom Handy ins Ausland wohl sehr teuer, wenn nicht gar unmoeglich und so gehen fast alle Menschen in die Internetcafes, Cyber genannt um hier zu telefonieren. Ich sitze also im Cyber und die Verbindungen speziell nach Asien und ganz speziell nach Indien scheinen nicht so gut zu sein, denn speziell Inder muesser sehr laut sprechen. Aber schon lustig, was man so alles erfaehrt. Gerde schreit ein Japaner seine Frau an, dass sie einen Rice-Cooker kaufen soll. SIe scheint ihn nicht zu verstehen und er wird lauter und lauter und lauter und sie wird vielleicht nie erfahren, das Mr. Mingh sich sehr ueber einen Rice Cooker zum geburtstag freuen wuerde. Auch wird die Frau von Mbele vielleicht nie erfahren, dass er heil in Kenia angekommen ist. All dies kriegt man im Cyber CAfe zu hoeren und es ist nicht zu ueberhoeren. Aber auch kleine romantische Geschichten passierren hier. Wenn John seine Frau in Mombasa anruft und ihr mit halb fluesternder Stimme sagt, wie sehr sein „Herz huepft“, jetzt wo er ihre Stimme hoert und das er sie wahnsinnig vermisst und sich sehr freut, wenn er sie naechste Woche wiedersieht. Es gibt noch liebe in der Welt und Reiskocher sind ein Primageschenk!!! 

live aus Nairobi

Tobias Nehren

Naitobi News
 

Kategorien: Leben in Nairobi

YMCA die Zweite

30 August, 2007 · 2 Kommentare

nachdem ich ja nun schon ein dauergast, bzw. Dauerbewohner des Hostels bin, kann ich noch ein paar Anekdoten hinzufuegen, die einen weiteren Eindruck vom Leben dort widerspiegeln.
Der schonmal beschriebene Russe, ist weiterhin aeusserst auffaellig. Mittlerweile sieht man ihn oefter mit irgendwelchen einheimischen Kaffeetrinken, diese einheimischen tragen allerdings Militaeruniform, was mich und ein paar weitere Europaer zu der Vermutung gebracht hat, dass er moeglicherweise ein Waffenhaendler sein koennte. Dies waere hier durchaus lukrativ, denn die Polizei oder irgendwelche anderen Securitys tragen hier wirklich beeindruckende Kanonen mit sich herum. Man sieht Handfeuerwaffen, AK47 und allerlei Variationen von Elektroschockern und Schlagwerkzeug.

Die MEnschen an der Rezeption sind wirklich nett und versuchen einem stets hilreich zur Hand zu gehen. Manchmal geht das auch ueber die normalen Serviceanmgebote hinaus. Ariel, der „herzliche“, Rezeptionist, hat nun schon mich und zwei weitere Bewohner des Hostels auf eine private Unternehmung eingeladen. Er ist wirklich lustig, weil er so ein bisschen der Klischeeschwule schlechthin ist und wenn er mit mir die kranken Elefantenbabies anschauen gehen moechte, dann man man sich das Grinsen manchmal verkneifen.
Lustig ist auch zu beobachten, wie unterschiedlich die Menschen in der Gruppendusche auf das nur selten Warme Wasser reagieren. Allerlei unterschiedliche Techniken lassen sich da beobachten:
- die Schock Technik: rein und dann „huap, Huap, Huap, Huap, Hu Hu HU HU“ Sagen
- die Reihnold Messner Technik: Rein und einfach Duschen, weil man eh kein Gespuer fuer heiss und kalt mehr hat.
- die Gewoehntechnik: nach und nach ein Koerperteil nach dem anderen unter die Dusche halten, in der Hoffnung, dass das Wasser irgendwann waermer wird, oder nicht mehr so kalt erscheint.
- die Jammer Technik: nicht rein, sondern lange klagend und Swahelische, Englische, Chinesische oder SChwedische Flueche aussprechen. Um dann zu Schock oder zu Gewoehntechnik ueberzugehen.
Im Grunde zeigt sich allerdings, dass es immer auf die SChock Technik hinauslaeuft, zumindest auf den Teil mit den lauten Geraeuschen. Wobei man sagen muss, dass 1,50 Meter grosse Japaner die lautesten und lustigsten Geraeusche machen.

Ueber Duschen und Waffenhaendler hinaus herrscht eigentlich immer eine gewisse Bewegung im Hostel. jeden Tag neue Leute und neue Menschen und neue Geschichten. Ich habe mich mittlerweile einer kleinen Gruppe angeschlossen, die aus zwei weiteren deutschen, einem Briten und einer Niederlaenderin besteht (niedlicher Aktzent, im Gegensatz zu meinem!!!) und Pete dem Amerikaner, der mich immer wieder verwundert. Aber er ist eben Amerikaner, nicht mal ein Dummer, er hat ne einigermassen reflektierte Meinung zu Israel und zur Politik allgemein und er weiss, dass Europa aus unterschiedlichen Laendern besteht. Aber er bleibt irgendwie ein Amerikaner.
Ja werde bestimmt hier und da nochmal ueber unser schoenes YMCA berichten
 

Kategorien: Leben in Nairobi

Verbindlichkeiten

29 August, 2007 · Kommentar schreiben

Verlaesslichkeiten

Gestern noch schreibe ich uber den African Way of life und heute will ich schon wieder noergeln. Die Materiellen Dinge sind wirklich oft Ballast, aber was ich in Deutschland sehr mag, wie ich merke ist die zwischenmenschliche Verbindlichkeit.
Hier ein kleiner fiktiver Beispieldialog:
Deutschland:
A: “ Hast Du das schon erledigt?“
B: „Nein“
A: „Okay. Was meinst Du, wann schaffst Du das denn?“
B: „Mmhh. Habe viel zu tun?. Ist es okay, wenn ich das bis naechste Woche mache?“
A: „Ja klar.“
- Sechs Tage Spaeter bekommt A von B, was er gerne haben moechte.

Kenia:
A: „Hast Du das schon erledigt?“
B: „Ja!!!“
A: “ OH!! Super, das ging ja flott, zeig mal!“
B: “ Oh, das meinst Du, ne habe ich noch nicht gemaschafft.“
A: „Okay. Was meinst Du, wann schaffst Du das denn?“
B: „MMhh. Bis morgen mache ich das auf jeden Fall!“
A: „Ja super. Das reicht ja.“
Am naechsten Tag:
A: „Hast Du geschafft?“
B: „Ja!!!“
A: “ OH!! Super , zeig mal!“
B: “ Oh, ne habe ich noch nicht gemaschafft.“
A: „Okay. Was meinst Du, wann schaffst Du das denn?“
B: „MMhh. Bis morgen, wenn das fuer dichj okay ist?“
A: „Ja alles klar.“
Dieser Dialog wiederholt sich nach 4 mal. Nach insgesamt sechs Tagen bekommt A von B, was er gerne haben moechte.

Sicher, na klar ist das ueberspitzt dargestellt, aber es ist schon so, dass man hier Verbindlichkeiten anders pflegt. Und das ist oft einfach kraftraubend. Es waere viel einfacher, wenn man von vornherein klare Ansagen machen wuerde, auf die man sich einfach verlassen koennte. Und solche kleinen Anekdoten ziehen sich einfach durch fast alle Lebensbereiche und bringen oft anstrengende, von aussen sicher aber lustige Anekdoten hervor. So ist es schon irgendwie lustig absurd, dass der Kenianische Fussball Verband ein offizielles Meeting plant, um die Spieler und Sieger der letzten Saison zu ehren. Der Termin auf der offiziellen Einladungskarte, ist dann, wenn sie ankommt schon dreimal durchgestrichen und mit einem Stift danebengeschrieben. Allerdings wird der entsprechende Termin, dann noch 3 bis 4 mal telefonisch oder per Mail verlegt, weil irgendein offizieller nicht kann oder ein Politiker gerne auch noch kommen moechte (Es ist gerade Wahlkampf). 

Kategorien: Leben in Nairobi

Ballast

28 August, 2007 · Kommentar schreiben

Man ist ja in Deutschland schnell genervt, hat schnell genug und es wird viel gemeckert. Diese Eigenschaft habe ich hier ein wenig verloren. Ich bin ein wenig entspannter geworden. Wenn kein Matatu kommt, okay!! Kommt das Wechselgeld im Restaurant erst  nach einer Viertelstunde, muss man eben warten!! Ist kein heisses Wasser mehr in den Duschen, wird eben kalt geduscht!!! Stattdessen freut man sich, wenn warmes Wasser da ist, wenn man freundlich und schnell bedient wird. Irgendwie kann man sich, wenn man nicht so viel hat, ueber viel mehr kleine Dinge freuen. Wenn ich durch die Stadt gehe, denke ich, was waere, wenn ihr mich jetzt ausrauben wuerdet. Im schlimmsten aller Faelle, wuerde man mir meine Klammotten und Schuhe, ne Sonnenbrille (ja die brauche ich mittlerweile), mein Handy und 20 Euro abnehmen. Und dann?? Nix und dann. Dann muesste ich ins Hotel gehen und mich anziehen. Soviel dazu. Genauso erschreckend ist, dass es Menschen gibt, die fuer diese Sachen ihr Leben riskieren, denn wird ein Dieb vom Volk statt von den Menschen gefasst, wird er gelyncht. Wirklich, die Menschen hier pruegeln Diebe tot oder fuegen ihnen wenigstens grosses Leid zu. Ich lege es keineswegs darauf an, hochgenommen zu werden . Das Gefuehl ist sicher alles andere als angenehm, aber man wird sich ein wenig bewusst, was das alles bedeutet, was man mit sich rumschleppt. Im Grunde ist vieles davon Ballast. Einfach Gewicht. Manchmal erwische ich mich, wenn ich morgens meine Handtasche packe bei der Pflege heimatlicher Braeuche. Wasser einpacken, ein Stueck Obst, einen Stift, das Woerterbuch, was zu Lesen, den Ausweis und Medikamente. Dann packe ich das wieder aus. Nehme den Ausweis, meine Malariaprophylaxetabletten und mein Handy stecke es in die linke Hosentasche, stecke etwas mein Portmonnaie mit etwas Geld in die andere und das Woerterbuch in die Gesaesstasche und mache mich auf in den Tag.
Ich hoffe ich kann mir ein wenig von dieser Gelassenheit und dieser Unabhaengigkeit bewahren, wenn ich wieder zurueck bin. Macht vieles leichter und erstaunlicherweise gibt es Wasser an jeder Strassenecke zu kaufen.

Kategorien: Leben in Nairobi

Auswaertsspiel

27 August, 2007 · 1 Kommentar

Ich und mein Hostelmitbewohner Johannis wollten gestern Abend Essen gehen. Eine Bekannte aus der Schweiz hatte mir ein indisches Restaurant empfohlen, dass ein wenig ausserhalb des Centrums lag. Wir machten uns also auf herauszufinden wo das ist und freuten uns auf ein leckeres feuriges Essen. Wie das dann hier so ist, haben viele Strassen einfach keine Namen und man bekommt, weil Kenianer Kartenlesen nicht gewohnt sind auch nur minderwertige Auskuenfte. Ich habe mich mit Johannis um halb sieben getroffen. Wir sind dann losgefahren und waren gegen 18:50 in dem Stadtteil, in dem das Restaurant sein sollte. Gleich hatten wir dort Anschluss gefunden. Denn eine Gruppe junger Maenner bot uns an, wenn wir es denn nur gewollt haetten, bis ans Ende der Welt zu fahren. Schon lustig, dass man an zehn nebeneinanderstehenden Taxen vorbeigeht und jeder Fahrer fragt, ob er uns nicht mitnhemen kann. Naja, kann ja sein, dass wir uns irgendwann spontan entscheiden. Irgendwann muss man einfach eine gewisse Ironie gegenueber solchen Erlebnissen entwickeln. Sonst wird man entweder todtraurig oder einfach nur stumpf.  Wir machten uns weiter auf die Suche und fanden weitere „Friends“, die alle von uns wissen wollten, wie es uns ginge und uns einluden, doch mal in ihrem Shop, Restaurant, Videothek oder was auch immer vorbeizuschauen. Einige fragten uns auch nach Spenden fuer allerlei wohltaetige Organisationen. Vorweggenommen sei, dass wir DAS Restaurant nicht fanden. Weil wir aber irgendwann etwas entnervt waren, suchten wir ne grosse Mall auf, in der Hoffnung, dass es dort auch allerlei Koestlichkeiten geben wuerde. Gab es auch. Allerdings in einem Raum, der sehr viel Aehnlichkeit mit einer Flugzeugwartehalle aufwies und gegessen wurde dort mit Plastikbesteck von Papptellern oder Aluminiumtabletts. Also wirklich nicht das was wir suchten. Naja Johannis lies sich noch einen leckeren indischen Lassie mixen und wir machten uns weiter auf in die kenyanische Nacht. Unsere Freunde warteten auf uns und boten wieder alle ihre Dienstleistungen an, offensichtlich hatten sie vergessen, dass wir schonmal abgelehnt hatten. Darueberhinaus begleitete uns noch ein netter Junger Mann ca. 5 Minuten und erzahlte uns allerhand verqueres Zeug, was an dem Konsum irgendwelcher Stoffe gelegen haben kann. Wir suchten dann 2 weitere Restaurant auf, die allerdings so teuer waren, dass wir es uns einfach nicht leisten konnten und unter dem Vortaeuschen eines wichtigen Telefonates den Raum verliessen.
Es war nun mittlerweile 20:15 Uhr ich war wirklich hungrig, wir entschieden uns also dafuer in die gemuetliche Flughafenathmossphaere zurueckzukehren. Die Auswahl dort war garnicht so einfach, da man das Essen bei allen ansaessigen Restaurants bzw. Imbissen bestellen konnte. Wir bekamen also 5 Karten in die Hand: Indisch, Chinesisch, Vegetarisch, Amerikanisch, Italienisch. Tja Plastikbesteck gab es dennoch. Mmmhh nicht so wie wir uns das alles vorgestellt hatten. Aber wenigstens erlebt hatten wir etwas an unsereren Sonntagabend und viele Freunde gefunden.
 

Kategorien: Leben in Nairobi

Ausgehen

26 August, 2007 · Kommentar schreiben

Jo gestern war ich aus. Ein paar Praktikantinnen hier in Nairobi haben mich gefragt, ob ich nicht lust haette mit ihnen in nen Club zu gehen. Irgendwie hat das dann den gestrigen Tage, den ich ja schon zu beschreiben versucht habe, dann komplett gemacht. Denn dieser Club haette ueberall auf der Welt sein koennen. Es unterschied sich nichts von einem deutschen, englischen oder amerikanischen Club. Menschen kommen hin, trinken Bier, Longdrinks oder sonstwas und spaeter wird getanzt. Der einzige Unterschied war, ich war der Exot, das Bier heisst anders und die Musik ist eine andere (ganz andere).  Die Praesenz der Scurity war beeindruckend, weil an und in jeder Ecke mindestens ein Rausschmeisser stand, der uber das Geschehen wachte. Irgendwie ist das das schon komisch, dass diese unterschiedlichen Lebensstandarts in Nairobi so nah beieinanderliegen. In dem Viertel in dem der Club war, leuchten Videowaende in die Nacht und Menschen sitzen in amerikanischen Diner Restaurants und Essen Burger und Fritten, keine zehn Kilometer weiter leben ueber 1 Million Menschen in uebelster Armut. Der Tag war so beeindruckend, weil ich eben alles gestern erlebt habe: Die Leute, die sich hier fast alles kaufen koennen und diejenigen, die selbstgemachte Schuhe fuer 50 Cent verkaufen.  

Kategorien: der Kopf kommt an

Welten

25 August, 2007 · Kommentar schreiben

Oh man ich hatteheute wirklich einen Vormittag, der mir wieder so bewusst gemacht hat, wie unterschiedlich die Welten sind zwischen denen ich wandele. Ich schlafe in einem Haus mit fliessend Wasser (manchmal sogar warm), Strom und einem Bett. Ich sitze beim Fruehstueck und bekomme Ananas und Eier (zwar jeden Morgen, aber darauf ist verlass). Ich gehe, wenn ich Lust habe und mir was goennen moechte in ein Kaffeehaus und trinke nen Kaffee. Dann fahre ich 20 Minuten mit dem Matatu in den Osten Nairobis und dort ist davon nichts zu finden. Die Menschen versuchen irgenwie ihren Lebenunterhalt zu verdienen. Zwischen Blechhuetten, Muellbergen und verdreckten Baechen bahne ich mir meinen Weg. Wie alltaeglich sowohl die Erscheinung, als auch der Geruch, eine Mischung aus gluehender Kohle, verbranntem Fleisch und Faekalien ist, wird dadurch deutlich, dass mein Projektbetreuer sich ueberhaupt nicht wundert, hier sind diese Umstaende normal. Wir finden nach unzaehligen SChlenkern, Bachueberquerungen und winzigen Wegen einen kleinen Fussballplatz, eingezaeunt, sandig umgeben von Abfaellen. Die Muellberge werden nur noch groesser, dadurch dass einige Maenner wohl versuchen Ordnung im Wohnbezirk zu schaffen und den Muell von dort hierher fahren. Aber die Kinder spielen Fussball. Mit Begeisterung, sie kuemmern sich nicht um die Dinge links und rechts von ihnen. Neben dem Platz steht ein kleines Haus, auf Pfahlen, darin einige Plakate, Buecher und Bastelsachen. Die Kinder sizten hier un basteln Ketten oder knuepfen DEcken, die sie dann auf der Strasse verkaufen. Unter der Huette findet die Ausruestung ihren Platz und die Kinder koennen sich umziehen. Einige Jungs sitzen neben dem Platz, die Flasche mit gelber Fluessigkeit staendig unter der Nase. Sie schnueffeln, ihre Bewegungen viel zu langsam, als das sie an einer Aktivitaet wie Fussball teilnehmen koennten. Egal, ob Fussball wirklich etwas aendert. Er schenkt den Menschen hier Inseln, die sie vergessen lassen, was sie umgibt, welche Probleme ihr Alltag beherbergt. Genau wie im Westen, wo man ins Stadion geht oder Sport treibt, um dem Alltag zu entkommen. Das die Welten, in denen wir Leben nicht nur emotionale Ueberschneidungen aufweisen macht mir ein kleiner Junge bewusst, der immer wieder „Mimi na Ronaldinho. Flip-Flop!!“ (Ich bin Ronaldinho. Flip-Flop = der Name eines seiner beruehmten Tricks). Die Menschen hier wissen genau was in der vermeintlich anderen Welt geschieht. Mir wird, so bedeutungsschwanger das nun klingen mag, bewusst, dass wir eben nicht in unterschiedlichen Welten leben.   

Neben dem Platz

Der Platz

Kategorien: Leben in Nairobi

Anstrengung

24 August, 2007 · 1 Kommentar

 

In den letzten Tagen bin ich gerade morgens etwas gespalten, was meine Offenheit gegenueber den Menschen hier angeht. Denn meine Nerven werden gerade in den ersten drei Stunden des Tages besonders beansprucht. Am Montag sind zwei Schulklassen in das Hostel eingezogen, also ca. 60 kleine Menschen, die  quicklebendig sind und immer sehr kecke Ideen haben, gerade was die Gestaltung der Nachtaktivitaeten angeht. Ich kann das ja verstehen, ich war ja auf  Klassenfahrt nicht besser, ganz im Gegenteil. Wahrscheinlich war ich sogar eher schlimmer. Sie tun das, was Kinder eben so machen. Sie laufen von Zimmer zu Zimmer, klopfen gegen die Tueren und klauen sich irgendwelche Gegenstaende. Alles im Rahmen meiner Tolleranz, Wirklich!!! Ein wenig gereizt reagiere ich, wenn die Lehrerin auch nach drei Tagen noch nicht begriffen hat, dass in Zimmer 19 keiner ihrer Schueler und Schuelerinnen wohnt, sie aber trotzdem jeden morgen erst freundlich, dann unfreundlicher an mein Zimmer klopft. UM 6:15 Uhr. Okay denke ich mir und aktzeptiere das. Der fruehe Vogel faengt den Wurm.

Anstrengend wird es dann, wenn die Kinder einerseits zu scheu sind um mit mir zu sprechen und andererseits zu fasziniert um mich zu ignorieren. Das ergibt Folgendes: Ich werde beim Fruehstueck angestarrt, die Kinder stellen die Stuehle so, dass sie mich moeglichst gut sehen koennen. Ich fuehle mich ein wenig wie der Loewe bei der Fuetterung. Ich will ja nicht unfreundlich sein, deshalb laechele oder habe auch schonmal gefragt, ob sie etwas von meiner Erdnussbutter haben moechten. Sie sind allerdings zu scheu um zu antworten und ausser “How are you?” “What is your name?” und “Mzungu” bringen sie nichts raus. Ich ertrage diesen Trubel um meine Person mit der mir moeglichen Geduld. Gerne wuerde ich ihnen erklaeren, dass ich die Sachen auch nur in meinen Mund stecke und sie nachher genauso wie bei ihnen braun wieder herauskommen. Aber ich will ja auch nicht motzig oder muerrisch wirken und so bleibe ich freundlich. Mal sehen wie lange ich mich noch halte.

Kategorien: der Kopf kommt an

Wuerde

23 August, 2007 · Kommentar schreiben

Wir in Europa, wir, die reichen Westler gehen stets davon aus, dass wir die Weisheit gepachtet haben, dass wir wissen, was man zum Leben braucht, dass wir wissen, wie man ein Unternehmen fuehrt. Diese Annahme musste ich, so ich sie denn wirklich hatte, schnell revidieren und feststellen, dass hier viele Dinge ganz anders funktionieren, die Menschen anders Arbeiten, einen anderen Rythmus haben und sich anders organisieren. Hier herrscht viel mehr so etwas, was wir als “Chaos” bezeichnen wuerden oder was bei uns als unsystematisch tituliert wuerde. Kein Strom fuer ne Stunde, man lebt damit. Kein Internet fuer einen Tag (in der ganzen Stadt!!!), okay. Kein fliessendes Wasser, dann eben nicht. Oft kommen dann die Menschen aus dem Westen hierher und wollen etwas Gutes tun und haben dabei wirklich nur die besten Absichten. Aber man muss den Menschen ihre Kultur, ihre arbeitsweise und ihr Leben lassen.
Es erstaunt, wenn man durch die Slums um Nairobis Zentrum geht und ueberall Menschlichkeit findet. Ich habe mich heute mit einer Kenianerin darueber unterhalten, und wollte ihr erklaeren, dass wir das als Wuerde bezeichnen, aber es gibt, glaube ich, kein englisches Wort dafuer. Wuerde findet man hier immer. Die Menschen leben zwischen Staub, Schlamm, Muell und Blech, aber sie sitzen nicht den ganzen Tag weinend in der Ecke. Sie tun staendig irgendwas. Sie machen aus alten Oelfaessern Schubkarren. Sie machen aus Autoreifen Flip-Flops. Sie machen aus drei alten Schuhen 2 Brauchbare. All das tun sie aber nicht jammernd. Immer wieder sieht man witzelnde Menschen, die miteinander Tee trinken, sich unterhalten und soziale Kontakte pflegen. Sie bewahren sich Menschlichkeit und eben Wuerde. Es sind Menschen wie Wir, die sich verhalten wie wir, mit ein paar unterschieden, die aber nicht in Schubladen wie besser oder schlechter passen, wie wir es in Europa gern tun. Wenn ich hier einen Ball auf den Platz werfe, vergessen die Jungs, genau wie die Kinder zu Hause, alles drum herum, sie treten gegen den das Leder, so der Ball denn aus Leder ist und spielen einfach, im wahrsten Sinne des Wortes.
Ich will damit in keinster Weise sagen, dass hier alles in Ordnung ist und das man garnicht soviel veraendern sollte. Ich will nur ausdruecken, dass die Menschen hier nicht auf den starken Arm des Westens warten, der ihnen das Essen und das schoene Leben in den Mund drueckt. Die Menschen hier wollen sich selbst helfen, wollen selbst etwas schaffen, etwas erschaffen. So unansehnlich, fremd und widrig die Bedingungen auch sein moegen unter denen sie Leben, sie bezeichnen es doch oft als ihr zu Hause. Sie sind dort geboren und leben dort. Niemand von ihnen wuerde wahrscheinlich nicht etwas verbessern wollen, aber eben verbessern, aktiv etwas tun! Diese Selbstbestimmtheit ist teil ihrer Wuerde, die sie sich bewahren.

Kategorien: Leben in Nairobi

Wetter

22 August, 2007 · 2 Kommentare

bin heute etwas in Eile, aber will trotzdem ganz kurz berichten, was hier so passiert, bzw. nicht passiert. Denn was hier nicht passiert ist Sonnenschein. Ich haette ebensogut ein Praktikum in London machen koennen, wenn ich das gewusst haette. Nein haette ich nicht. Allerdings ist es schon erstaunlich, dass man sich in der Naehe des Aquators befindet (150 km suedlich von hier) und friert, wenn man keinen Pullover traegt. Ich bin schon zweimal durch und durch nassgeregnet worden und nasse Fuesse hatte ich schon unzaehlige Male, da die Abwasserkanaele dem Niederschlag hier manchmal nicht gewachsen sind.

Auf der Strasse rufen einem die Kenianer dann ab und zu sowas wie: „Thanks for the weather“ zu. Ja das habe ich ihnen wirklich mitgebracht. Aber es soll ja nun Sommer werden hier und ich hoffe, dass ich davon noch ein paar Tage mitbekomme.

Kategorien: der Kopf kommt an