Berlin, Berlin

Ja nun bin ich also gelandet im „Raumschiff Berlin“ wie es Björn Böhning nennt (warum auch immer). Oder bin ich noch nicht gelandet? Wann lande ich und wie landet man in Berlin? Ist man gelandet, wenn man Neon-Sonnenbrillen trägt und die Füße durch das einschneidende Erlebnis, dass ihnen die Hose bietet, langsam blau werden? Oder könnte ich mir sozusagen als Landebahn ein abgeranztes Tatoo stechen lassen. Das wäre was?! Naja erstmal Tempo rausnehmen und dann langsam kommen lassen was kommt. Also die Bremse habe ich nun erstmal:

In meiner geistigen Nachbarschaft

Nun kehre ich nochmal zurück. In den letzten Tagen habe ich Nachrichten verfolgt, wie selten und die Homepage der Tagesschau  zu schätzen gelernt wie nie zuvor. Auf einmal haben Nachrichten eine ganz andere Bedeutung, weil ich einen persönlichen Bezug habe. Die Bilder, die ich aus Kenia sehe, tun sehr weh. Sie treffen mich zutiefst. Es ist nicht vorwiegend die Tatsache, dass ich unendlich dankbar bin, im sicheren Deutschland zu sein und die Dinge nicht mit eigenen Augen sehen zu müssen, sondern vielmehr berührt mich, dass tote Menschen auf Straßen liegen auf denen ich 2 Monate zuvor selbst gegangen bin. Auf einmal sind das nicht irgendwelche Meldungen von irgendwelchen Orten, irgendwo auf der Welt, sondern das sind Nachrichten aus der Nachbarschaft. Mir wird bewusst, wie labil so ein politisches System sein kann, auch wenn es noch so stabil aussieht. Wie schnell Unzufriedenheit, bittere Armut, Chancenungleichheit und Unterdrückung in Gewalt umschlägt, das sehe ich nun und verknüpfe es mit Dingen die ich erlebt habe. Den Menschen, die ich in Kenia kenne, scheint es gut zu gehen, aber angesichts der Tatsache, dass niemand weiß wie sich die Dinge weiterentwickeln werden, ist wohl auch das nicht sicher. Denn in diesem labilen System kann ein kaputtes Zahnrad die ganze Maschine zum Stillstand bringen. Wenn die Unruhen nicht bald aufhören und ein sowohl politischer wie gesellschaftlicher Weg aus der Krise gefunden wird, dann wird Kenia um Jahrzente zurückgeworfen. Die Menschen, die eh schon nichts haben, schlagen sich auch das noch entzwei. Zwischen eigentlich nicht entzweiten Volksgruppen entsteht ein Graben, dessen Überwindung viel Zeit und Kraft benötigen wird, die eigentlich für wirkliche Fortschritte genutzt werden könnte und müsste. Und der Wirtschaft, die in Kenia einigermaßen stabil aussah und Hoffnung machen konnte, wird der Hahn abgedreht. Denn in den nächsten Jahren würde der Tourismus versiegen und die Investitionen, die in ein destabilisiertes Land fließen würden wohl zurückgehen. Das bedeutet mehr Armut, mehr Hunger, mehr, mehr und mehr.  Und das alles findet statt an Orten, an denen ich war. In meiner geistigen Nachbarschaft.

Das trifft!!!

Wo bleibt mein Kopf?

Nun ja, nun bin ich seit einer Woche wieder im Alltag, der sich zunächst garnicht so sehr als Alltag erwiesen hat. Das Heimkehren ist wohl ebenso schwer wie das wegfahren und so hatte und habe ich wirklich mit Deutschland und Osnabrück zu kämpfen. Auf der einen Seite lebt von nun an ein kleiner pessimistischer Globalisierungskritiker in mir, der ständig Sachen sagt wie: „Wie könnt ihr Euch darüber Gedanken machen“ oder „Hey, es gibt Menschen, denen geht es viel schlechter, freut Euch an dem was ihr habt“ Das Problem ist, das ich solche Menschen zwar immer respektiert aber nie wirklich gemocht habe. Nun ja nun muss ich mit einem solchen Männchen mein Hirn teilen. Ich will mir ja auch bewusst bleiben, dass es wirkliche Armut gibt und das es wichtigere Probleme als 50 Minuten Verspätung des ICE Düsseldorf-Berlin gibt, aber ich will auch verstehen können wenn sich jemand darüber ärgert oder sauer wird.

Der andere Aspekt, der meine Heimkehr nicht so einfach gestaltet, ist das Gefühl, dass ich zwei Monate lang meinen geistigen Rucksack mit Eindrücken, Bilder, Geschichten und Erlebnissen vollgestopft habe und nun langsam beginne die Sachen auszupacken. Ich rede darüber, dass ich dieses und jenes erlebt habe und dann kommen mir Bilder in den Sinn oder Sätze, die mich das alles nochmal erleben lassen. Das ist manchmal ganz schön viel. Naja so ist das eben wenn man Heimkommt. Ich werde jetzt mal losgehen und mich zu meinen neuen Freunden gesellen, die sich in der von mir gegründeten Selbsthilfegruppe „Ich bin wieder da, mein Kopf kommt später“ zusammengefunden haben.

Resozialisierungsversuche

Ja nun habe ich fast schon wieder so etwas wie Alltag hier in Osnabrueck. Auch wenn ich einige Dinge, die mir hier so begegnen einfach nicht fassen kann. Ich sitze uebrigens gerade in der Unibibliothek, die mir ein entferntes Gefuehl des „heimtlichen“ Cyber Cafes vemittelt, auch wenn die Rechner schneller und die Tastaturen heiler sind. Ich war heute im Lidl etwas einkaufen und auf einmal hoere ich ein kreischendes „EEEyyykk“ Eyyyykkk“, ich drehe mich um und hinter mir steht, nein sitzt ein aelterer Herr auf seinem von der Krankenkasse gesponsorten Feuerstuhl (elektirsch), bedient hektisch Hupe und Leuchte und schreit mich an, dass ich ihn ja genau gesehen habe und warum ich nicht aus dem weg gehen wuerde. Erstaunlich dieser Lebensmut. Schoen dachte ich, dass auch alte Menschen noch so aktiv am gesellschaftlichen Miteinander teilnehmen koennen, schade das sie dabei so laut Hupen und Schimpfen muessen. Ich sprang also beiseite, eine mir ja durchaus bekannte Bewegung und Matatu-Karl-Heinz brauste weiter Richtung saure Gurken.

Ich sitze also manchmal hier in meinem Heimatland und sehe Dinge, die ich nicht glauben kann. Alles etwas surreal. Ich hoffe ich bewahre mir die Fähigkeit mich zu wundern!!

Wieder hier!?

Ja irgendwie bin ich wohl wieder zu Hause. Das Wasser gehorcht meinen Befehlen, das „Z“ ist kein „Y“ auf der Tastatur und und beim ueberqueren der Strasse muss ich nicht um meine Leben fuerchten. „Zu Hause“ und doch irgendwie fremd. Man gewöhnt sich schon an sehr viele Dinge und Geflogenheiten, wenn man sich irgendwo neu einrichten muss. Ich werde sicher noch einige Zeit brauchen, bis alles wieder „normal“ ist bzw. fuer mich wieder normal ist. Aber und das ist irgendwie seltsam, ich will garnicht alles wieder normal haben. Einige Dinge sollen anders werden und wie ich schon geschrieben habe, will ich mir einiges bewahren.

Also, ich gehe jetzt in meinen ersten richtigen Tag in Deutschland und nehme ein Stueck kenianische Gelassenheit mit. Hetzt Euch also nicht liebe Kassierer bei Plus immer schoen „Pole Pole“ und liebe Autofahre, gebt ruhig nochmal Gas, wenn ich gerade ueber die Strasse will, mit mir kann mans machen.

Ach ja, ich will uebrigens diesen Blog weiterfuehren und weiterhin Anekdoten und kleine Stories sammeln. Also wer Lust hat, kann ja von Zeit zu Zeit mal reinschauen und sehen was Naitobi so macht.

Resumee

MMhh, nun sind meine letzten Stunden in Naitobi angebrochen und ich weiss nun gar nicht wie ich mich fuehle. Ich freue mich natuerlich schon auf die Menschen zu Hause, einige Dinge und sehne mich nach einem Kuehlschrank (Tuer auf, Milch raus, Tuer zu). Ausserdem werde ich mich wohl erstmal eine Stunde vor die Dusche stellen und einfach nur von heiss nach kalt und umgekehrt wechseln und es unbegreiflich finden, dass das so einfach geht. Aber Kenia bzw. Nairobi wird mir auch fehlen, kleine Rituale die ich lieb gewonnen habe, wie das Schreiben dieses Blogs, der Gang ins Internetcafe, die leckeren Bananen, die man wunderbar im Gehen verdruecken kann, ganz zu schweigen von den Menschen, die ich hier lieb gewonnen habe. Ich hoffe, ich kann mir ein wenig der hier gewonnenen Gelassenheit bewahren, die einfach manchmal kraftsparend ist, weil man sich nicht gleich ueber alles so aufregt, sondern manchmal einfach aktzeptiert (beispielsweise, dass es kein heisses Wasser gibt oder dass das Matatu jetzt eben ne Stunde im Stau steht). Ebenso wuensche ich mir, dass ich meine Offenheit Menschen gegenueber bewahren kann. Diese Offenheit, die sich hier ein bisschen auch zum Prinzip entwickelt hat. Also keine Scheu zu haben , Menschen anzusprechen, ihnen zu vertrauen und mit ihnen Zusammenzuarbeiten. Sicher zahlt man manchmal einen Preis, weil diese Offenheit ausgenutzt wird, aber unter dem Strich ist meine Rechnung hier weit im Plus, wenn man denn eine solche Rechnung wirklich aufmachen will und kann. Ich haette so viele Dinge nicht gesehen, nicht erlebt, um genau zu sein, waere ich nicht einmal hierher gelangt, wenn ich nicht offen gewesen waere und mich in fremde Haende begeben haette.

Gedanken und Ansichten haben sich hier zu wirklichen Prinzipien ausgeweitet. Mir war immer bewusst, dass ich Menschen auh wie Menschen behandeln will. Mir ist nun aber irgendwie klar geworden, dass es in diesem Punkt  keine Kompromisse fuer mich gibt. Auch wenn es der Kultur nicht entspricht Bedienstete freundlich zu behandeln, werde ich das doch tun und wenn es tatsaechlich besser „funktionieren“ sollte bettelnde Kinder und Beachboys zu ignorieren, als ihnen 10 Mal „No“ oder „Thanks“ zu sagen, dann versuche ich dennoh sie zu beachten.

Es gibt sicher noch 1000 Dinge, die mir bewusst werden, wenn ich weiter Nachdenke und wenn ich in Deutschland bin, dann werden mir sicher noch mehr Sachen klar werden, was ich aus diesem Aufenthalt mitnehmen werde und was ich hier gelernt habe.

Ich melde mich erstmal ab und linke mich in Deutschland wieder ins High Speed Internet ein!!!

Tellerrand

 Manchmal glaube ich, dass die Menschen hier relativ kurzsichtig sind und einfach keinen Blick fuer globalere Zusammenhaenge besitzen, das faengt schon im ganz Kleinen an und hoert dann bei den grossen „wichtigen“ Dingen auf. Ich esse beim Fruehstueck durchaus mal 3 oder auch 5 Stuecke Ananas und Banane und schneide mir daraus eine Fruchtschale zusammen. Ich denke, da ich weder Wurst, noch Porridge noch das Spiegelei esse ist das eigentlich kein grosse Sache. Heute nach ungefaehr 50 Fruehstueckssessions wurde ich von einer Mitarbeiterin angesprochen, dass es mir nur erlaubt sei einen Teller Obst zu essen. Ich habe ihr dann erklaert, dass ich alle anderen Sachen nicht esse und das deshalb so mache, andere Essen 5 Scheiben Brot und 3 Wuerste. Sie zog dann wieder ab und ich sagte ihr, ich werde die Regel morgen, an meinem letzten Tag, beachten :) .

Das ich bzw. die Menschen um mich herum dort jeden Tag noch ettliche andere  Dinge Essen, trinken und BEZAHLEN und dies auch woanders tun koennten bedenken sie dabei nicht. Sie denken also nur an 5 Stuecke Obst und nicht an den Kaffee und das Abendessen, dass sie mir zufriedenem Gast noch verkaufen koennen.

Und so zieht sich das eben noch weiter und weiter. Man beschwert sich ueber den Muell auf der Strasse und das Nairobi so dreckig ist, kaut dabei die Erdnuesse, deren Verpackung man dann direkt in den Graben wirft.

Man schimpft ueber die Verhaeltnisse in denen Menschen leben, man schimpft ueber soziale Unsicherheit und dass einige Alles haben und andere Nichts. Und dann zeigen mir die gleichen Menschen ganz stolz ein Modell von einer riesigen Shoppingmall, die in der Naehe gebaut werden soll. Ein Center, in das niemals ein Mensch aus dem Osten Nairobis wird gehen koennen, weil er es sich garnicht leisten kann, dort auch nur ne Cola zu trinken.

Und Enden tut das dann bei Dingen wie der „Grossen“ Politik. Man wahlt Politker von der Korruptheit man weiss, die sich die Diaeten stetig erhoehen, die nichts oderkaum etwas fuer die laendliche Bevoelkerung tun. Politiker engagieren Schlaeger um sich gegenseitig im Wahlkampf zu behindern und die Menschen wissen das. Trotzdem werden sie gewaehlt werden.

Das sind Zusammenhaenge die man hier irgendwie nicht sieht. Man schaut nicht ueber den Tellerrand nichtmal ueber den Fruehstuecksteller.

P.S. Und ich werde morgen trotzdem Fruechte essen und sogar mehr als Zwei Scheiben Ananas. HA

Geradeaus

So nun geht es auf die letzten Tage, Stunden was auch immer zu. Ich habe ein wenig dessen wiedergefunden, was ich dachte hier total verloren zu haben. Mein Antrieb und meine Laune sind wieder zurueck und mich nervt die Stadt nicht merh so an, wie das Zwischenzeitlich der Fall war. Woran das liegt, ich glaube an innerer Einstellung, denn sauberer gerechter oder ruhiger ist Nairobi nihct geworden. Aber ich habe immer versucht hier Dinge auf mich zukommen zu lassen und ein bisschen versucht die Leine Lang zu lassen, um moeglichst offen zu sein. Ich habe immer versucht gerade heraus zu sein und dabei einige Prinzipien aber nicht aufzugeben, sie aber wenn noetig auf ihre Sinnhaftigkeit zu pruefen. Ein Beispiel dafuer ist der Umgang mit Bediensteten. Mir ist egal, was die Menschen hier gewohnt sind, ob sie irritiert sind, wenn man nach dem Schuheputzen „danke“ sagt oder „Bitte“ sagt, wenn man etwas moechte. Mir ist das wichtig und ich behalte das bei. Meine Freundlichkeit gebe ich hier nicht auf.

Ebenso gebe ich meine Ehrlichkeit nicht auf. Es gibt immer wieder Gelegenheiten bei denen ich verfuehrt bin den einfachen Weg zu gehen, bei denen ich Konflikte meiden koennte. Aber eigentlich bin ich gut damit gefahren meine Meinung zu sagen und den Menschen mitzuteilen, wenn mir wirklich etwas missviel oder ich enttaeuscht wurde.

Prinzipien sind wirklich nicht immer einfach, aber das hat jha auch niemand behauptet. Es ist eben nicht leicht korrekt und aufrichtig zu verhalten. Aber wenn ich den einfach den einfachen Weg haette gehen wollen, waere ich dann hier?

 P.S.: Dieser Beitrag soll keine Selbstbeweihraeucherung sein, aber ich habe immer wiedergegeben, was mich beschaeftigt hat und das ist in meinen letzten Tagen sehr aktuell und staendig in meinem Bewusstsein.

Zeigefinger, Gaumenfreuden, Nasengeraeusche

Hier , darueber wollte ich eigentlich schon lange mal schreiben, herrscht eine voellig andere Kultur der Koerpergeraeusche und man untersucht koerperoeffnungen wesentlich freier als man dies in Deutschland tut. Nein hier fummelt sich niemand in der Oeffentlichkeit im Po herum. Aber gepopelt wird bis der Arzt kommt. Wirklich. Frauen und Maenner, egal wo, egal wann, voellig ungezwungen. Manchmal wirkt das richtig erfrischend, wenn im Restaurant eine Frau im Hosenanzug sitzt und sich den Finger in den Kopf steckt, ganz selbstverstaendlich und vertraeumt. Dabei tut sie ja Keinem etwas und der Kontrast zwischen der Buisnesshuelle und dem befreienden gebohre, der gefaellt mir fast. Weniger gefallen tut mir alerdings das Hochziehen, das speziell Maenner wunderbar beherrschen. Gemeint ist das Naseputzen nach innen. Im Bus oder im Cybercafe ist das besonders schoen, wenn neben einem jemand alle 10 Sekunden 50 Gramm Schleimhaut ein Handbreit hoeher befoerdert. Lecker lecker.

Ruelpsen ist hier auch alles andere als ungewoehnlich, nach dem Essen sowieso, aber auch sonst bei jeder Gelegenheit. Mund zu? Nicht doch! Immer raus mit allem was keine Miete zahlt!!!

Am Anfang wirkte das sehr befremdelich. Aber mittlerweile aktzeptiere ich es halt, was soll ich auch machen und ausserdem ist es eben auch ne Frage der Kultur. Eine eruopaeische Bekannte hat sich darueber mal aufgeregt, aber ich kann mich halt ueber einen unterschiedlichen kulturell gepraegten Umgang mit Koerpergeraeuschen aufregen oder ich kann es lassen.  Keinesfalls wuerde ich soweit gehen und behaupten, dass das ein Zeichen mangelnder Zivilisation ist. Es ist eben ein anderer Umgang!!! Und lieber Nase hochziehen als sich andauernd in den Schritt zu greifen, um zu sehen, ob noch alles da ist wo es hingehoert. Das hab ich hier noch nie gesehen.

Uuund Popeln hat  hier auch eine sinnvolle Funktion, das sei noch eingfuegt, denn durch die Luftverschmutztung kann auch ich jeden Abend ne gute Portion Material aus meinem Kolben herausholen.

Glotze sehen

Hi,

 ich moechte mich nochmal ein wenig einem etwas heitererem Thema widmen, als ich es die letzten Tage gemacht habe. Es soll hier mal um das Fernsehen gehen, dass zwar viele Serien und Filme zeigt, die man bei uns auch sehen koennte, allerdings schaut man hier, was ich bisher gesehen habe ganz anders fern als bei uns.

Manchmal werden einfache Comedysendungen hier zu einer wahren Massenlachorgie. Ich sitze im Internet und wundere mich warum hier mehr und mehr Menschen auflaufen, aber den Computer garnicht benutzten. Als sich dann alle Blicke auf die Glotze richten wird mir klar. Man will nun zusammen irgendeine, fuer mich, seltsame Comedy Sendung aus den 80er Jahren gucken. Die Leute, die hier herumstehen lachen sich wirklich darueber scheckig, ich verstehe immer noch nicht warum. Ich finde es garnicht lustig. Naja.

Im Hostel wird Fernsehen mit dem gleichen Enthusiasmus geschaut, mit dem man bei uns ins Stadion geht. Hier laufen wirklich viele ganz ganz schlechte Soaps/Telenovelas, aus Japan, Spanien und Suedamerika. Die Zuschauer im Hostel schalten immer zu ihren Soaps und rufen dann „Cate“ zu, dass sie John nicht kuessen soll und schreien auf, wenn der Buttler „Ronald“ die Hausherrin wuergt. Das ist wirklich amuesant und ich fuehle mich oft wieder in das Verkehrskaspertheater aus der Grundschule zurueckversetzt.

Auch unterhaltsam sind die Kaempfe darum, was nun genau geschaut wird. Denn wenn ca. 50 Leute in einem Raum sitzen, dann gibt es da durchaus schonmal Meinungsunterschiede. Oft werden die dann so geloest, das einer der juengeren zum Fernseher geht und umschaltet. Dies wird dann unter einem fluchend klingenden Kommentar von einem aelteren Zuschauer wieder rueckgaengig gemacht. KOmmt der Platzhirsch, also einer der Residents, die im YMCA schon keinen Gaststatus mehr haben, dann diktiert er, was gesehen wird. Nicht selten fliessen dabei auch schonmal Traenen. Gerade die Mitglieder des derzeit im Hostel residierenden Special Olympics Teams koennen mit ihrer Enttschaeuschung oft nicht zurueckhalten und weinen oder schimpfen wie die R0hrspatzen.

Oft geht es aber auch nur darum, dass vorne etwas flimmert, denn mir kann keiner weissmachen, dass eine Gruppe von 30 Grundschuelern wirklich interessiert Nachrichten schaut. Vielmehr schauen sie wohl einfach gerne bzw. sie glotzen. Wenn man sich die 30 Gesichter anschaut, aus deren Mundwinkel haeufig schonmal ein Tropfen Sabber laeuft, dann wird einem sehr deutlich, was mit diesem Wort ausgedrueckt werden soll.

Apropos Nachrichten, fuer einen Europaer haben die Nachrichten hier wirklich kaum einen Informationswert. Exemplarisch will ich hier mal Schlagzeilen der gestrigen Abendnachrichten auflisten:

- Neue Partei gegruendet (die 201. jeden Tag werden neue gegruendet)

- Kalonzo (Praedidentschaftskandidat) in Limuru

- wieder mehr Flamingos im Lake Nakuru

- Schlaegerei bei Wahlveranstaltung von Raila (Praedidentschaftskandidat)

- Wetter

- Sport (Wobei es nur Bilder von Kenianischen Sportereignissen gibt. Mit Glueck mal ein paar Trainingaufnahmen aus England)

Man sieht also. Informationstechnisch bin ich voll auf der Hoehe. Gelobt sei das Internet und heiss erwartet der heutige Abend im Fernsehraum :)